Komplikationen einer Frühgeburt

Überlebenschancen bei Frühgeburt — Statistik nach Schwangerschaftswoche

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Überlebenschancen bei Frühgeburt — Statistik nach Schwangerschaftswoche
Titelbild: Eigenes Foto (FP Team)

Wenn dein Baby viel zu früh kommt oder eine Frühgeburt droht, steht oft eine Frage über allem: Wird mein Kind überleben? Diese Frage verdient eine ehrliche Antwort. Deshalb findest du hier, wie viele Frühgeborene in Deutschland je nach Schwangerschaftswoche (SSW) die Zeit in der Klinik überleben. Die Zahlen stammen aus der aktuellen Bundesauswertung Neonatologie des IQTIG, des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen, und beziehen sich auf das Jahr 2024.

Kurz vorweg: Von allen lebend geborenen Kindern unter 1.500 Gramm, die in diese Auswertung für 2024 eingingen, überlebten in der 24. SSW gut acht von zehn bis zur Entlassung aus der Klinik. In der 28. bis 31. SSW waren es mehr als 95 von 100. In diesen Zahlen sind auch die Kinder mitgezählt, die von Anfang an palliativ begleitet wurden, bei denen also keine lebenserhaltende Intensivbehandlung begonnen wurde. Die vollständige Übersicht nach Wochen findest du weiter unten in der Tabelle, zusammen mit einer Erklärung, was diese Zahlen aussagen und was nicht.

Uns ist dabei eines wichtig: Statistiken beschreiben Gruppen von Kindern. Sie sagen nicht voraus, wie es deinem Kind gehen wird. Wie die Chancen im Einzelfall stehen, hängt von vielen Dingen ab, vom Geburtsort über die Lungenreife bis zum Gewicht und Geschlecht. Manche Kinder, bei denen die Ausgangslage schwierig war, entwickeln sich erstaunlich gut. Andere haben trotz guter Voraussetzungen einen schwereren Weg. Die beste Einschätzung für dein Kind bekommst du vom Team vor Ort, das dein Kind kennt. Die Zahlen hier können dir helfen, die Lage einzuordnen und im Gespräch mit Ärztinnen, Ärzten und Pflegenden die Fragen zu stellen, die dir auf dem Herzen liegen.

Was bedeutet „Überlebenschance" bei Frühchen?

Bevor wir auf die einzelnen Wochen schauen, lohnt sich ein Blick darauf, was mit „Überlebenschance“ eigentlich gemeint ist. In der Neonatologie, der Medizin für Neugeborene, werden verschiedene Dinge gemessen, und die Zahlen dazu unterscheiden sich teils deutlich.

Manche Auswertungen zählen nur Kinder, die auf der Intensivstation aufgenommen wurden. Andere zählen alle lebend geborenen Kinder, auch die, die gleich nach der Geburt palliativ begleitet werden. Manche schauen auf das Überleben bis zur Entlassung aus der Klinik, andere auf das erste Lebensjahr oder darauf, ob Kinder ohne schwere Einschränkungen aufwachsen. Die Zahlen auf dieser Seite beschreiben das Überleben bis zur Entlassung. Wie es den Kindern danach langfristig geht, erfassen sie nicht.

Wo in Deutschland die Grenze der Lebensfähigkeit gezogen wird, beschreibt die AWMF-Leitlinie 024-019 „Frühgeborene an der Grenze der Lebensfähigkeit“ in der Fassung von 2020. Vor 22+0 SSW wird in der Regel keine lebenserhaltende Therapie begonnen. Zwischen 22+0 und 23+6 SSW, bei sehr niedrigem Gewicht auch noch etwas darüber, liegt die sogenannte Grauzone. Hier wird individuell und gemeinsam mit den Eltern entschieden, ob ein Kind lebenserhaltend behandelt oder palliativ begleitet wird. Ab 24+0 SSW und einem Gewicht von mindestens 400 Gramm ist im Regelfall eine lebenserhaltende Therapie anzustreben. Die Leitlinie wird derzeit überarbeitet, ihre Empfehlungen gelten bis dahin weiter als Orientierung. Mehr dazu liest du weiter unten im Abschnitt zur Grenze der Lebensfähigkeit.

Warum man die Zahlen vorsichtig lesen sollte: Überlebensraten unterscheiden sich zwischen Ländern und Kliniken, auch weil sehr früh geborene Kinder unterschiedlich häufig aktiv behandelt werden. Außerdem stammen Studien aus verschiedenen Jahren, und die Neonatologie entwickelt sich weiter. Deshalb nennen wir bei jeder Zahl, woher sie kommt, aus welchem Jahr sie stammt und welche Kinder sie beschreibt.

Wie stehen die Chancen? Ein Überblick nach Schwangerschaftswoche

Bevor du weiterliest, möchten wir dir etwas mitgeben: Die folgenden Zahlen beschreiben Gruppen von Kindern, nicht dein Kind. Hinter jeder Zeile stehen Hunderte ganz unterschiedlicher Verläufe. Nimm die Zahlen als Orientierung, nicht als Urteil.

Die Tabelle zeigt, wie viele Kinder in Deutschland bis zur Entlassung aus der Klinik überlebt haben. Gezählt sind alle lebend geborenen Kinder unter 1.500 Gramm aus der Auswertung für das Jahr 2024, einschließlich der Kinder, die von Anfang an palliativ versorgt wurden. Die SSW ist jeweils die vollendete Woche, die 24. SSW umfasst also 24+0 bis 24+6.

Vollendete SSW bei Geburt Überleben bis zur Entlassung Anschaulich
23 65,2 % knapp zwei von drei Kindern
24 81,7 % gut acht von zehn Kindern
25 83,6 % gut acht von zehn Kindern
26 92,2 % mehr als neun von zehn Kindern
27 95,0 % 95 von 100 Kindern
28 95,7 % mehr als 95 von 100 Kindern
29 97,1 % etwa 97 von 100 Kindern
30 98,4 % mehr als 98 von 100 Kindern
31 98,0 % etwa 98 von 100 Kindern

Quelle: IQTIG, Bundesauswertung Perinatalmedizin: Neonatologie, Erfassungsjahr 2024 (veröffentlicht 2025), Tabelle „Geburtsgewicht nach Gestationsalter“, S. 165. Bezugsgruppe: alle lebend geborenen Kinder unter 1.500 g einschließlich primär palliativ versorgter Kinder, Überleben bis zur Entlassung.

Zwei Dinge helfen, die Tabelle richtig zu lesen. Erstens enthält sie nur Kinder unter 1.500 Gramm. Ab etwa der 30. SSW wiegen viele Kinder schon mehr und tauchen in dieser Auswertung gar nicht auf. Die Werte für die 30. und 31. SSW beschreiben deshalb vor allem Kinder, die für ihr Alter eher klein und leicht sind. Für alle Kinder dieser Wochen liegen die Chancen vermutlich eher höher. Deshalb solltest du auch den kleinen Unterschied zwischen der 30. und der 31. SSW nicht überbewerten. Zweitens handelt es sich um einen einzigen Jahrgang. Gerade in den sehr frühen Wochen sind es vergleichsweise wenige Kinder, in der 23. SSW zum Beispiel 382, und da können sich Werte von Jahr zu Jahr verschieben. Der Wert für die 23. SSW hängt in der Grauzone außerdem stark davon ab, wie viele Kinder lebenserhaltend behandelt wurden.

Extrem früh: SSW 22 bis 24 — Jeder Tag zählt

In diesen Wochen bewegt sich die Medizin an der Grenze dessen, was möglich ist, und die Chancen verändern sich hier von Woche zu Woche spürbar. In der 24. SSW überlebten laut der Auswertung für 2024 in Deutschland gut acht von zehn der lebend geborenen Kinder unter 1.500 Gramm bis zur Entlassung. In der 23. SSW waren es knapp zwei von drei. Mitgezählt sind auch die Kinder, die von Anfang an palliativ begleitet wurden.

In der 22. SSW sind die Chancen noch einmal deutlich geringer, und fast alle Kinder werden in dieser Woche palliativ begleitet. Hier und in der 23. SSW wird in Deutschland individuell und gemeinsam mit den Eltern entschieden, ob eine lebenserhaltende Behandlung begonnen wird. Mehr dazu liest du weiter unten im Abschnitt zur Grenze der Lebensfähigkeit.

Diese Zahlen sagen etwas über das Überleben in der Klinik. Wie es den Kindern langfristig geht, beantworten sie nicht. Ein Teil der sehr früh geborenen Kinder braucht später Unterstützung in der Entwicklung, viele entwickeln sich gut. Wie groß die Anteile sind, hängt stark vom einzelnen Verlauf ab. Das Team auf der Station und später die Nachsorge können dir dazu am meisten sagen.

Sehr früh: SSW 25 bis 27 — Die Chancen steigen deutlich

Ab der 25. SSW steigen die Überlebenschancen mit jeder Woche weiter an. In der 25. SSW überlebten laut der Auswertung für 2024 gut acht von zehn Kindern unter 1.500 Gramm bis zur Entlassung, in der 26. SSW mehr als neun von zehn und in der 27. SSW 95 von 100. Auch hier sind alle lebend geborenen Kinder dieser Gewichtsgruppe mitgezählt, einschließlich der palliativ versorgten.

Das heißt nicht, dass der Weg leicht wird. Viele dieser Kinder verbringen Wochen oder Monate auf der Neugeborenen-Intensivstation, und es kann Rückschläge geben. Die Behandlung sehr früh geborener Kinder hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert.

Früh: SSW 28 bis 31 — Die allermeisten Kinder überleben

In der 28. bis 31. SSW überlebten laut der Auswertung für 2024 in Deutschland jeweils mehr als 95 von 100 Kindern unter 1.500 Gramm bis zur Entlassung, in der 30. SSW waren es mehr als 98 von 100. Wie oben beschrieben, fehlen in diesen Wochen die schwereren Kinder in der Auswertung. Für alle Kinder dieser Wochen dürften die Chancen deshalb eher noch etwas besser sein.

Die meisten dieser Kinder entwickeln sich gut, auch wenn manche, wie alle Frühgeborenen, in der Entwicklung Unterstützung brauchen können. Ein Frühchen der 30. oder 31. SSW ist trotzdem kein reifes Neugeborenes. Es braucht meist noch Wochen auf der Station, oft mit Atemunterstützung, Wärme und Sondenernährung am Anfang. Für dich als Elternteil heißt das: Wahrscheinlich liegt eine intensive Zeit auf der Neo vor dir, und die Aussichten sind gut. Ausführliche Informationen für diese Wochen findest du in unseren Artikeln zur Frühgeburt in der 29. SSW und zur Frühgeburt in der 30. SSW.

Moderat bis spät: SSW 32 bis 36 — Sehr gute Prognose

Für die 32. und 33. SSW gibt es in Deutschland keine eigene Überlebenszahl je Woche. Die IQTIG-Auswertung erfasst in diesen Wochen nur die wenigen Kinder unter 1.500 Gramm, und die sind für ihr Alter ungewöhnlich klein. Deshalb nennen wir dir hier keine deutsche Wochenzahl, sondern eine Einordnung.

Kinder, die zwischen der 32. und 36. SSW geboren werden, haben sehr gute Überlebenschancen. Einen Anhaltspunkt gibt die große französische Studie EPIPAGE-2: Von den Kindern, die dort im Jahr 2011 zwischen der 32. und 34. SSW lebend geboren wurden, überlebten 98,9 Prozent bis zur Entlassung, und 96,8 Prozent überlebten ohne schwere Erkrankung in der Neugeborenenzeit. Das ist eine Studie aus einem anderen Land und aus einem früheren Jahrgang, sie zeigt aber gut die Größenordnung.

Unterschätzen sollte man diese Kinder trotzdem nicht. In den ersten Tagen und Wochen können Atemprobleme, Gelbsucht, Schwierigkeiten mit der Körpertemperatur oder beim Trinken auftreten. Auch Kinder, die schon recht groß aussehen, brauchen oft noch Zeit, bis Saugen, Schlucken und Atmen gut zusammenspielen. Insgesamt ist die Prognose in diesen Wochen aber ermutigend.

Was für alle Wochen gilt: Jede Woche im Mutterleib zählt. Zwischen der 23. und der 28. SSW steigen die Chancen von Woche zu Woche deutlich. Wenn es medizinisch möglich ist, die Schwangerschaft auch nur um einige Tage zu verlängern, kann das gerade in den sehr frühen Wochen einen echten Unterschied machen.

Zur Datenbasis: Die Wochenwerte bis einschließlich 31. SSW stammen aus der IQTIG-Bundesauswertung Neonatologie mit dem Erfassungsjahr 2024. Für die 32. bis 34. SSW ziehen wir die französische EPIPAGE-2-Studie heran, weil es für diese Wochen keine deutsche Zahl je Woche gibt. Die Einordnung der Grauzone folgt der AWMF-Leitlinie 024-019 in der Fassung von 2020, die gerade überarbeitet wird. Alle Quellen mit Jahr und Link findest du am Ende dieser Seite.

Welche Faktoren beeinflussen die Prognose?

Die Schwangerschaftswoche ist der wichtigste einzelne Faktor, aber bei Weitem nicht der einzige. Mehrere andere Dinge haben großen Einfluss darauf, wie die Chancen für ein Kind tatsächlich stehen.

Schwangerschaftswoche — der wichtigste Faktor

Die Schwangerschaftswoche bei der Geburt, in der Fachsprache das Gestationsalter, bestimmt maßgeblich, wie weit die Organe deines Kindes entwickelt sind. Lunge, Gehirn und Darm brauchen Zeit, um zu reifen. Gerade zwischen der 23. und der 28. SSW macht ein Kind in jeder einzelnen Woche große Entwicklungsschritte. Deshalb versuchen Ärztinnen und Ärzte bei einer drohenden Frühgeburt, jede zusätzliche Woche und manchmal jeden zusätzlichen Tag zu gewinnen.

Geburtsort — warum das Perinatalzentrum entscheidend ist

Wo dein Kind zur Welt kommt, hat mehr Einfluss auf seine Chancen, als viele Eltern zunächst denken. In Deutschland gibt es eine klare Abstufung der Versorgungsstufen. Perinatalzentren Level 1 sind die höchste Versorgungsstufe. Nach der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) sollen dort Schwangere entbinden, deren Kind voraussichtlich vor 29+0 SSW oder mit einem geschätzten Gewicht unter 1.250 Gramm zur Welt kommt. Dasselbe gilt für Drillingsschwangerschaften vor 33+0 SSW, für Schwangerschaften mit mehr als drei Kindern und wenn schon vor der Geburt absehbar ist, dass das Neugeborene sofort spezialisierte Intensivmedizin braucht. In einem Level-1-Zentrum ist rund um die Uhr eine Ärztin oder ein Arzt auf der Neugeborenen-Intensivstation anwesend, zusätzlich gibt es einen Rufdienst, und eine Fachärztin oder ein Facharzt für Neonatologie ist jederzeit im Dienst oder in Rufbereitschaft. Der G-BA legt verbindlich fest, welche Schwangeren in welcher Versorgungsstufe entbinden sollen und welche Mindestanforderungen die Kliniken erfüllen müssen.

Dass der Geburtsort einen Unterschied machen kann, zeigte schon eine ältere Auswertung aus Baden-Württemberg für die Geburtsjahre 2003 und 2004. Von den Kindern, die vor der 26. SSW geboren wurden, starben in den fünf größten Zentren des Landes 15 Prozent, in den übrigen Kliniken 33 Prozent (Hummler und Kollegen, 2006). Wie die einzelnen Perinatalzentren heute abschneiden, kannst du auf perinatalzentren.org nachsehen. Dort veröffentlichen G-BA und IQTIG risikoadjustierte Ergebnisse für Frühgeborene unter 1.500 Gramm, zuletzt für die Jahre 2020 bis 2024.

Wenn bei dir eine sehr frühe Geburt droht und die Zeit es zulässt, ist es deshalb sinnvoll, schon vor der Geburt in ein Perinatalzentrum zu wechseln, statt das Kind nach der Geburt verlegen zu müssen. Frag in deiner Klinik nach, wenn darüber noch niemand mit dir gesprochen hat.

Antenatale Steroide — Lungenreife vor der Geburt

Wenn eine Frühgeburt droht, gibt es eine Maßnahme, die die Aussichten deines Kindes deutlich verbessern kann: die Lungenreifung mit Kortison vor der Geburt, in der Fachsprache antenatale Kortikosteroide. Die Mutter bekommt dabei Betamethason gespritzt, idealerweise mindestens 24 Stunden vor der Geburt. Das Medikament regt in der Lunge des Babys die Bildung von Surfactant an, einer Substanz, die verhindert, dass die Lungenbläschen zusammenfallen.

Die Lungenreifung gehört zu den wichtigsten Fortschritten der Frühgeborenenmedizin. Sie senkt das Risiko für ein Atemnotsyndrom und für Hirnblutungen und verbessert die Überlebenschancen. Sie ist gut untersucht und wird seit Jahrzehnten eingesetzt. Ob und wann sie sinnvoll ist, entscheidet das geburtshilfliche Team.

Geschlecht — der kleine Mädchenvorteil

Es klingt überraschend, ist aber gut belegt: Mädchen haben bei gleicher Schwangerschaftswoche statistisch etwas bessere Überlebenschancen als Jungen, besonders wenn sie sehr früh geboren werden. Auch im Risikomodell, mit dem in Deutschland die Ergebnisse der Perinatalzentren verglichen werden, ist weibliches Geschlecht ein Faktor, der die Überlebenschance erhöht. Eine große US-amerikanische Studie mit Kindern der 22. bis 25. SSW aus den Geburtsjahren 1998 bis 2003 fand, dass der Vorteil von Mädchen ungefähr einer zusätzlichen Schwangerschaftswoche entspricht. Vereinfacht gesagt hat ein Mädchen in der 24. SSW statistisch etwa die Aussichten eines Jungen in der 25. SSW. Diskutiert wird unter anderem, dass die Lunge bei Mädchen etwas früher reift.

Geburtsgewicht und weitere Faktoren

Auch das Geburtsgewicht spielt eine wichtige Rolle, vor allem, wenn es für die jeweilige Woche ungewöhnlich niedrig ist. Kinder, die für ihr Schwangerschaftsalter zu klein sind (SGA, Small for Gestational Age), haben bei gleicher SSW eine schwierigere Ausgangslage als Kinder mit altersgemäßem Gewicht. Unter 500 Gramm Geburtsgewicht sind die Chancen deutlich eingeschränkt.

Ob ein Kind allein oder als Zwilling oder Drilling zur Welt kommt, spielt laut Leitlinie für die Überlebenschancen kaum oder keine Rolle mehr, wenn Schwangerschaftsalter und Gewicht berücksichtigt sind. Drillinge vor 33+0 SSW sollen nach der Richtlinie des G-BA aber in einem Perinatalzentrum Level 1 geboren werden.

Die Grenze der Lebensfähigkeit — eine schwierige Zone

In den sehr frühen Wochen, etwa zwischen der 22. und 24. SSW, sprechen Fachleute von der Grauzone. Hier liegen Hoffnung und Abschied oft nah beieinander, und die Entscheidungen, die getroffen werden müssen, gehören zu den schwersten in der ganzen Medizin.

Den Rahmen dafür gibt in Deutschland die AWMF-Leitlinie 024-019 „Frühgeborene an der Grenze der Lebensfähigkeit“ in der Fassung von 2020. Sie war bis April 2025 gültig und wird derzeit überarbeitet. Bis eine neue Fassung vorliegt, dient sie weiter als Orientierung. Sie unterscheidet grob so:

Vor 22+0 SSW wird in der Regel keine lebenserhaltende Therapie begonnen. Das Kind wird palliativ begleitet, es wird warm gehalten, bekommt Nähe und Zuwendung, aber keine intensivmedizinische Behandlung.

Zwischen 22+0 und 22+6 SSW, und ebenso zwischen 23+0 und 23+6 SSW bei einem geschätzten Gewicht unter 400 Gramm, kommt eine lebenserhaltende Behandlung dann in Frage, wenn die Eltern sie nach ausführlicher Beratung ausdrücklich wünschen.

Zwischen 23+0 und 23+6 SSW, und ebenso zwischen 24+0 und 24+6 SSW bei einem geschätzten Gewicht unter 400 Gramm, entscheiden Eltern und Team gemeinsam, ob eine lebenserhaltende oder eine palliative Versorgung der richtige Weg ist.

Ab 24+0 SSW und einem Gewicht von mindestens 400 Gramm ist im Regelfall eine lebenserhaltende Therapie anzustreben.

Was heißt „gemeinsam entscheiden“? Das behandelnde Team wägt zusammen mit dir ab. Dabei spielen mehrere Dinge eine Rolle: das geschätzte Schwangerschaftsalter und Gewicht, das Geschlecht und ob die Lungenreifung schon gegeben wurde. Manchmal wird die Erstversorgung begonnen und die Situation danach gemeinsam neu beurteilt. Zeigt sich, dass dem Kind nicht geholfen werden kann, ist ein Wechsel zur palliativen Begleitung möglich.

Für dich als Elternteil ist das eine kaum vorstellbare Situation. Wenn eine Geburt in der Grauzone droht, hast du das Recht auf eine ausführliche Beratung, und zwar durch Neonatologie und Geburtshilfe gemeinsam. Du sollst informiert werden, ohne unter Druck gesetzt zu werden. Und du darfst wissen: Es gibt hier kein Richtig oder Falsch. Es gibt Entscheidungen, die nach bestem Wissen und Gewissen gemeinsam getroffen werden.

Wir wissen, dass diese Zeilen schwer zu lesen sind. Wenn du gerade genau in dieser Situation bist: Sprich mit dem Team, stell alle Fragen, die du hast, auch mehrmals, und erlaube dir, dass es keine perfekte Entscheidung geben muss.

Mögliche Komplikationen und Langzeitfolgen

Je früher ein Kind geboren wird, desto höher ist das Risiko für Komplikationen, sowohl in der ersten Zeit auf der Intensivstation als auch später. Wir möchten dir hier einen ehrlichen Überblick geben, ohne dir unnötig Angst zu machen.

Eine der Komplikationen, vor denen sich Eltern sehr früh geborener Kinder am meisten fürchten, ist die Hirnblutung, medizinisch intraventrikuläre Hämorrhagie (IVH), eine Blutung in oder nahe den Hirnkammern. Wie häufig sie vorkommt, hängt stark davon ab, wie früh ein Kind geboren wird. In einer großen Auswertung US-amerikanischer Zentren mit Kindern der Geburtsjahre 2013 bis 2018 hatten in der 22. SSW gut ein Drittel der Kinder eine schwere Blutung, in der 28. SSW etwa 5 von 100. Leichtere Blutungen (Grad 1 bis 2) verlaufen oft günstiger. Trotzdem sind Kontrollen und eine gute Nachsorge wichtig, weil auch sie mit Entwicklungsrisiken verbunden sein können. Ausführliche Informationen findest du in unserem Artikel zur Hirnblutung bei Frühgeborenen.

Die bronchopulmonale Dysplasie (BPD), eine chronische Lungenerkrankung durch Unreife und Beatmung, betrifft vor allem die kleinsten Frühchen. Je unreifer die Lunge bei der Geburt, desto höher das Risiko. Später kann eine BPD zu häufigeren Atemwegsinfekten oder zu einer Neigung zu Asthma führen. Bei vielen Kindern werden die Beschwerden mit dem Wachstum der Lunge geringer. Mehr zum Thema findest du in unserem Artikel zu den Formen der Beatmung bei einer Frühgeburt.

Die nekrotisierende Enterokolitis (NEC) ist eine schwere Darmerkrankung, die vor allem sehr unreife Frühgeborene betrifft, besonders unter 1.500 Gramm. Sie kann lebensbedrohlich sein und im schlimmsten Fall dazu führen, dass Teile des Darms operativ entfernt werden müssen. Dann kann längerfristig eine Ernährung über eine PEG-Sonde (perkutane endoskopische Gastrostomie) nötig werden. Alles Wichtige dazu erfährst du in unserem Beitrag zur nekrotisierenden Enterokolitis (NEC).

Auch die Frühgeborenen-Retinopathie (ROP), eine Erkrankung der Netzhaut, kann bei sehr unreifen Kindern auftreten und muss bei einem Teil von ihnen behandelt werden. Deshalb werden die Augen regelmäßig untersucht. Eine rechtzeitige Behandlung mit Laser oder Medikamenten kann das Sehvermögen in vielen Fällen schützen.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Viele Frühchen entwickeln sich gut. Gerade bei Kindern, die ab der 28. SSW geboren werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie sich altersgerecht entwickeln, und auch bei sehr unreifen Kindern gibt es viele Verläufe, die Mut machen. Wichtig ist, dass die Entwicklung deines Kindes am korrigierten Alter gemessen wird, also nicht ab dem Geburtstag, sondern ab dem errechneten Geburtstermin. Ein Kind, das in der 28. SSW geboren wurde und sechs Monate alt ist, wird in seiner Entwicklung eher wie ein drei Monate altes Kind beurteilt. So lassen sich seine Fortschritte fair einschätzen. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel Frühgeborene und Folgen.

Frühgeburten in Deutschland — wie häufig sind sie?

Frühgeburten sind häufiger, als viele denken. Im Jahr 2024 kamen in deutschen Kliniken rund 664.000 Kinder zur Welt. Etwa 7 bis 8 von 100 Kindern wurden vor der vollendeten 37. SSW geboren und zählen damit als Frühgeborene.

Der weitaus größte Teil von ihnen kommt zwischen der 32. und 36. SSW zur Welt, 2024 waren das mehr als acht von zehn Frühgeborenen. Diese Kinder haben insgesamt sehr gute Aussichten. Sie werden aber leicht unterschätzt, denn im Vergleich zu reif geborenen Kindern haben sie häufiger Atemprobleme, Gelbsucht und Schwierigkeiten beim Trinken in den ersten Tagen.

Am anderen Ende stehen die extrem Frühgeborenen, die vor der 28. SSW geboren werden. 2024 waren das in deutschen Kliniken etwa 4.100 Kinder, still geborene Kinder eingerechnet. Sie sind eine kleine Gruppe, brauchen aber oft über lange Zeit die intensivste Begleitung, und ihre Familien tragen in dieser Zeit besonders viel.

Was du als Elternteil tun kannst

Vieles bei einer Frühgeburt liegt außerhalb deiner Kontrolle. Einiges kannst du aber selbst in die Hand nehmen, und das kann einen echten Unterschied machen.

Wenn eine sehr frühe Geburt droht, frag nach einem Perinatalzentrum Level 1. Nach der Richtlinie des G-BA gehören Schwangere, deren Kind voraussichtlich vor 29+0 SSW oder mit weniger als 1.250 Gramm geboren wird, in ein solches Zentrum. Erfüllt die Klinik, in der du gerade bist, diese Anforderungen nicht, muss sie die Verlegung unverzüglich veranlassen. Abweichen darf sie davon nur im begründeten Einzelfall, wenn die Abwägung der Risiken für Mutter und Kind das erfordert. Frag ruhig aktiv nach, wenn das nicht angesprochen wird.

Frag auch nach der Lungenreifung. Sie gehört bei drohender Frühgeburt zum Standard. In hektischen Situationen kann es trotzdem helfen, wenn du Bescheid weißt und nachfragst. Idealerweise wird das Kortison mindestens 24 Stunden vor der Geburt gegeben.

Informier dich, aber lass dich von Zahlen nicht lähmen. Statistiken sind ein Werkzeug, kein Urteil. Sie beschreiben Gruppen von Kindern, nicht dein Kind. Nutze sie, um die richtigen Fragen zu stellen und gut informiert mit dem Team zu sprechen.

Und denk daran: Jede Woche im Bauch zählt. Wenn es medizinisch möglich ist, die Schwangerschaft zu verlängern, etwa mit wehenhemmenden Medikamenten (Tokolyse) oder anderen Maßnahmen, die das Team vorschlägt, kann gerade in den sehr frühen Wochen schon ein zusätzlicher Tag wertvoll sein.

Nach der Geburt gehört das Känguruen zu den wertvollsten Dingen, die du für dein Kind tun kannst. Dabei liegt dein Frühchen mit Haut-zu-Haut-Kontakt auf deiner Brust. Das hilft, Atmung und Körpertemperatur zu stabilisieren, unterstützt die Milchbildung und stärkt die Bindung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die Känguru-Methode ausdrücklich für Frühgeborene, sobald das Team es für möglich hält. Im Artikel zum NIDCAP-Konzept kannst du mehr über entwicklungsfördernde Pflege auf der Neugeborenenstation erfahren.

Und nicht zuletzt: Such dir Menschen, die verstehen, was du gerade erlebst. Der Bundesverband „Das frühgeborene Kind" e.V. bietet Beratung, Elterntreffen und Informationsmaterial. Mit anderen Familien zu sprechen, die Ähnliches durchgemacht haben, kann sehr entlasten. Du bist nicht allein.

Erfahrungsberichte von Eltern

Hinter jeder Statistik stehen Familien mit ganz eigenen Geschichten. Die folgenden Berichte von Eltern zeigen, wie unterschiedlich die Wege mit einem Frühchen verlaufen können, und dass es trotz aller Sorgen Grund zur Hoffnung gibt.

Extrem früh geboren (23.–25. SSW)

Sehr früh geboren (26.–27. SSW)

Früh geboren (28.–31. SSW)

Moderat und spät geboren (32.–36. SSW)

Jeder dieser Berichte erzählt einen ganz persönlichen Weg. Sie können zeigen, welche Fragen und Situationen andere Familien erlebt haben, und vielleicht findest du dich in der einen oder anderen Geschichte wieder.

Häufige Fragen zu Überlebenschancen bei Frühgeburt

Wie hoch sind die Überlebenschancen in der 24. SSW?

Nach der aktuellen Bundesauswertung des IQTIG überlebten von allen in der 24. SSW lebend geborenen Kindern unter 1.500 Gramm (Deutschland, Erfassungsjahr 2024) 81,7 Prozent bis zur Entlassung aus der Klinik, also gut acht von zehn. Mitgezählt sind auch Kinder, die von Anfang an palliativ begleitet wurden. Wie es den Kindern langfristig geht, erfasst diese Zahl nicht. Die Chancen im Einzelfall hängen unter anderem vom Geburtsort, der Lungenreifung, dem Gewicht und dem Geschlecht ab. Die beste Einschätzung für dein Kind gibt dir das Team vor Ort.

Ab wann ist ein Frühchen lebensfähig?

Nach der AWMF-Leitlinie 024-019 in der Fassung von 2020 wird vor 22+0 SSW in der Regel keine lebenserhaltende Therapie begonnen. Zwischen 22+0 und 23+6 SSW liegt die Grauzone, in der individuell und gemeinsam mit den Eltern entschieden wird. Ab 24+0 SSW und einem Gewicht von mindestens 400 Gramm ist im Regelfall eine lebenserhaltende Therapie anzustreben. Die Leitlinie wird derzeit überarbeitet.

Mein Kind wiegt nur 500 Gramm — ist das zu wenig?

Ein Geburtsgewicht von 500 Gramm ist sehr niedrig, aber kein automatisches Ausschlusskriterium. Auch Kinder mit so geringem Gewicht können überleben. Die Chancen hängen aber stark von der Schwangerschaftswoche und der Versorgung ab. Kinder, die für ihre Woche ein altersgemäßes Gewicht haben, haben bessere Aussichten als Kinder, die zusätzlich zu klein für ihr Alter sind (SGA). Sprich mit dem Team der Neonatologie über die konkreten Aussichten für dein Kind.

Warum ist die Klinikwahl so wichtig?

Die Erfahrung des Teams, die Ausstattung und die Verfügbarkeit aller nötigen Fachleute rund um die Uhr machen gerade bei sehr früh geborenen Kindern einen Unterschied. Deshalb legt der G-BA fest, welche Schwangeren in welcher Versorgungsstufe entbinden sollen und welche Anforderungen an Personal und Ausstattung die Kliniken erfüllen müssen. Wie einzelne Perinatalzentren abschneiden, kannst du auf perinatalzentren.org vergleichen. Bei einer drohenden sehr frühen Geburt ist die rechtzeitige Verlegung in ein Zentrum vor der Geburt einer der wichtigsten Schritte.

Wird sich mein Frühchen normal entwickeln?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten, weil es von vielen Dingen abhängt, vor allem von der Schwangerschaftswoche und davon, ob Komplikationen aufgetreten sind. Viele Frühchen, gerade die ab der 28. SSW geborenen, entwickeln sich altersgerecht. Bei extrem früh geborenen Kindern treten Schwierigkeiten wie Lern- oder Konzentrationsprobleme häufiger auf. Regelmäßige Nachsorge und frühe Förderung können viel bewirken. Weitere Informationen findest du in unserem Artikel Frühgeborene und Folgen.

Was bedeutet korrigiertes Alter?

Das korrigierte Alter berücksichtigt, wie viel zu früh dein Kind geboren wurde. Vom tatsächlichen Alter wird die Zeit abgezogen, die bis zum errechneten Geburtstermin noch gefehlt hat. Ein Beispiel: Wurde dein Kind in der 28. SSW geboren, also 12 Wochen zu früh, und ist jetzt sechs Monate alt, beträgt sein korrigiertes Alter drei Monate. Kinderärztinnen und Kinderärzte nutzen das korrigierte Alter, um die Entwicklung realistisch einzuschätzen, und daran kannst du dich auch selbst orientieren, zum Beispiel beim Beikosteinstieg bei Frühgeborenen.

Ab wann kann ein Frühchen ohne Hilfe atmen?

Das hängt stark von der Schwangerschaftswoche und der Lungenreife ab. Kinder, die nach der 34. SSW geboren werden, können oft von Anfang an selbstständig oder mit wenig Unterstützung atmen. Extrem Frühgeborene vor der 28. SSW brauchen dagegen fast immer eine Form der Atemunterstützung, von CPAP (einem Verfahren, das die Atemwege mit leichtem Überdruck offen hält) über Sauerstoff bis zur maschinellen Beatmung. Manche Kinder mit einer schweren bronchopulmonalen Dysplasie brauchen noch monatelang Sauerstoff. Mehr dazu erfährst du in unserem Beitrag über Beatmungsformen bei Frühgeborenen.

Wo finde ich weitere Hilfe und Unterstützung?

Eine wichtige Anlaufstelle ist der Bundesverband „Das frühgeborene Kind" e.V.. Dort findest du Informationen, Beratung und Kontakt zu anderen Familien. In vielen Kliniken gibt es außerdem Sozialdienste und psychologische Beratung speziell für Eltern von Frühgeborenen. Nimm diese Angebote in Anspruch, wenn du Unterstützung brauchst, auch der Austausch in Selbsthilfegruppen kann sehr helfen. Frag auf der Station gezielt nach und lass dir die passenden Ansprechpersonen nennen.