„Perkutane Endoskopische Gastrostomie"
Kommt es zu dauerhaften Ernährungsschwierigkeiten beim Kind, so kann eine PEG eine Alternative zur transnasalen Magensonde sein. Bei der PEG wird die Sonde (ein Kunststoffschlauch) während einer Gastroskopie durch die Bauchwand gelegt. Dies hat mehrere Vorteile — zum einen ist es nicht mehr nötig, regelmäßig eine neue (Nasen-)Sonde durch Nase, Rachen, bis in den Magen zu legen; zum Anderen ist die Aspirationsgefahr deutlich verringert, da die Nahrung nun direkt in den Magen gegeben wird.
Insbesondere bei Frühchen, die unter Umständen schon einiges mehr an unangenehmen Empfindungen im oralen Bereich (wie z. B. eine Intubation aufgrund notwendiger Beatmung) hinter sich haben, kann eine PEG eine Entlastung sein. Wenn der Säugling beweglicher wird, so kommt es häufig dazu, dass das Baby sich die Nasen-Magen-Sonde mehr oder weniger regelmäßig selbst zieht, um das unangenehme Fremdkörpergefühl loszuwerden.
Wann wird eine PEG bei Frühchen in Erwägung gezogen?
Nicht jedes Frühchen braucht eine PEG — sie kommt dann ins Gespräch, wenn die Ernährung über die Nasensonde dauerhaft nicht ausreicht oder das Kind erhebliche Probleme mit dem Saugen und Schlucken hat. Die ESPGHAN empfiehlt eine Gastrostomie, wenn absehbar ist, dass ein Kind länger als vier bis sechs Wochen auf enterale Sondenernährung angewiesen sein wird. Das betrifft vor allem sehr unreife Frühgeborene, bei denen der Saug-Schluck-Atem-Reflex noch nicht ausgereift ist. Manche Kinder trinken zwar kleine Mengen, schaffen es aber nicht, genug Kalorien aufzunehmen, um stabil zuzunehmen.
Auch wenn Dein Kind eine neurologische Beeinträchtigung hat — etwa nach einer Hirnblutung — kann das Schlucken langfristig schwierig bleiben. In solchen Fällen ist die PEG kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen ist, sondern ein Werkzeug, das Deinem Kind hilft, die Energie zu bekommen, die es für seine Entwicklung braucht.
Die Entscheidung wird immer gemeinsam mit dem behandelnden Ärzteteam getroffen. Ihr werdet ausführlich aufgeklärt und könnt in Ruhe abwägen.
Wie läuft die PEG-Anlage ab?
Der Eingriff ist vergleichsweise kurz und wird unter Sedierung oder Narkose durchgeführt. Dabei wird ein Endoskop (eine Art dünner Schlauch mit Kamera) über den Mund in den Magen eingeführt. Von außen wird die Bauchwand mit einer kleinen Stichinzision eröffnet und die Sonde durch die Bauchdecke in den Magen gelegt. Die Sonde wird innen und außen mit einer Halteplatte fixiert, sodass sie nicht verrutscht.
Vor der OP gilt — wie bei jedem Eingriff — eine Nahrungskarenz. Dein Kind bekommt während dieser Zeit Flüssigkeit über eine Infusion, damit es nicht austrocknet. Nach der Anlage bleibt die Sonde zunächst einige Stunden geschlossen, bevor langsam mit der Nahrungszufuhr begonnen wird — laut dem ESPGHAN-Update von 2021 kann bei stabilem Kind bereits drei Stunden nach der Anlage mit iso-osmolarer Nahrung begonnen werden.
Mögliche Komplikationen sind bei einer PEG-Anlage grundsätzlich gering. Schwerwiegende Komplikationen wie eine versehentliche Darmperforation sind selten und lassen sich laut ESPGHAN durch sorgfältige Technik und erfahrene Teams minimieren. Je nach Grunderkrankung des Kindes ist eine detaillierte Aufklärung und Abwägung von Risiko und Nutzen seitens des behandelnden Arztes erforderlich.
Pflege des PEG-Stomas
Das nun entstandene PEG-Stoma muss selbstverständlich regelmäßig gepflegt werden, damit es nicht zu Entzündungen oder gar größeren Infektionen kommt. Jedoch sollte man, wie bei allem, bedenken, dass es auch ein „zu steril" geben kann! Oft ist eine PEG-Versorgung gegeben, wenn das Kind sich bereits zu Hause befindet. Die eigenen „Hauskeime" sind hier sicherlich nicht mit denen eines Krankenhauses oder einer Intensivstation zu vergleichen.
Die erste Woche nach der Anlage
In den ersten sieben Tagen wird die Eintrittstelle auf Station noch steril versorgt — also mit Handschuhen, Desinfektionsmittel und einer sterilen Kompresse. Das Team achtet dabei auf Rötungen, Schwellungen, Blutungen oder ungewöhnlichen Ausfluss. Etwas klarer oder leicht verfärbter Ausfluss rund um die Stelle ist in den ersten 7 bis 10 Tagen ganz normal, solange die Stelle noch abheilt. Laut der ESPGHAN-Leitlinie von 2021 wird in den ersten Tagen eine tägliche aseptische Reinigung empfohlen, danach reicht einfaches Waschen.
Auf luftdichte (okklusive) Verbände sollte verzichtet werden — sie erhöhen das Infektionsrisiko. Stattdessen genügt eine trockene Kompresse über der äußeren Halteplatte, sofern ein Sondenschlauch verwendet wird.
Tägliche Pflege zu Hause
Nach der Abheilphase ist die Pflege unkomplizierter, als viele Eltern befürchten. Die Grundregel ist: sauber und trocken halten. Das Stoma wird einmal täglich mit lauwarmem Wasser und einer milden Seife gereinigt — vorsichtig rund um die Eintrittsstelle, die Halteplatte leicht anheben und darunter säubern. Danach gut trockentupfen. Feuchtigkeit, Reibung und Zug an der Sonde sind die drei häufigsten Ursachen für Hautprobleme rund um das Stoma.
Wichtig ist auch, die Sonde nicht unter Spannung zu halten. Einmal wöchentlich (ab Tag 7 nach der Anlage) sollte der Schlauch vorsichtig 1 bis 2 Zentimeter in den Magen geschoben und einmal gedreht werden — das verhindert, dass die innere Halteplatte in den Kanal einwächst (das sogenannte „Buried Bumper Syndrom"). Fragt auf der Station, ob das bei eurem Sondentyp nötig ist — bei dickeren Halteplatten kann darauf verzichtet werden.
Worauf Ihr achten solltet
Rötungen, Schwellungen, auffälliger Geruch oder eitriger Ausfluss — das sind Zeichen, die Ihr zeitnah dem Kinderarzt zeigen solltet. Die häufigsten kleineren Komplikationen sind überschießendes Granulationsgewebe (wildes Fleisch) rund um die Eintrittsstelle und oberflächliche Infektionen. Beides ist behandelbar und in den meisten Fällen kein Grund zur Sorge, sollte aber ärztlich beurteilt werden. Insgesamt zeigen die Daten, dass schwerwiegende Komplikationen selten sind — laut einer Auswertung von über 4.600 Kindern traten in etwa 10 % der Fälle ernstere Komplikationen auf, bei über 30 % wurden leichtere Hautreaktionen dokumentiert.
Im Zweifel: Arzt kontaktieren! Wenn Ihr Euch bei der Pflege unsicher seid, die Eintrittstelle ungewöhnlich aussieht oder Euer Kind Fieber, starke Schmerzen oder Erbrechen zeigt — zögert nicht, den Kinderarzt oder die Klinik zu kontaktieren. Lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig.>
Einweisung vor der Entlassung
Bevor Ihr nach Hause geht, werdet Ihr auf Station gründlich eingewiesen. Dazu gehören: Anschließen und Abklemmen der Sonde, Pflege der Eintrittstelle, Erkennen von Komplikationen — und ganz wichtig: Was tun, wenn die Sonde versehentlich herausrutscht? Das ist zwar selten, aber der Kanal kann sich innerhalb von etwa sechs Stunden verschließen. Deshalb bekommt Ihr in der Regel einen Ersatzschlauch oder eine Messhilfe mit, um den Kanal bis zur ärztlichen Versorgung offen zu halten. Habt keine Angst vor diesem Szenario — es ist gut beherrschbar, wenn Ihr wisst, was zu tun ist.
Ernährung über die PEG — und trotzdem Stillen?
Über die PEG-Sonde kann Dein Kind alles bekommen, was es braucht — Muttermilch, Spezialnahrung oder eine Kombination. Für viele Mütter ist es eine große Erleichterung zu wissen, dass abgepumpte Muttermilch auch über die Sonde gegeben werden kann. Das Stillen wird durch die PEG also nicht unmöglich — im Gegenteil: Manche Kinder lernen parallel kleine Mengen an der Brust zu trinken, während der Hauptbedarf über die Sonde gedeckt wird.
Kombiniert werden kann die PEG beispielsweise mit einer elektrischen Nahrungspumpe. Diese ist besonders hilfreich, wenn das Kind Nahrung nur sehr langsam verträgt. Über die Pumpe lässt sich einstellen, in welchem Zeitraum die Nahrung verabreicht werden soll — von einer langsamen Dauergabe über mehrere Stunden bis hin zu einzelnen Bolusgaben, die einer normalen Mahlzeit ähneln.
Alltag mit PEG zu Hause
Der Gedanke, mit einer Sonde nach Hause zu gehen, macht vielen Eltern erst einmal Angst. Das ist völlig normal. Auf der Station werdet Ihr gründlich eingewiesen — Ihr übt das Anschließen, die Pflege und auch, was zu tun ist, wenn mal etwas nicht stimmt.
Auch mit einer PEG können die Kleinen (nach der ersten Phase des Abheilens) z. B. Baden gehen. Spielen, auf dem Bauch liegen, im Tragetuch sitzen — all das ist möglich. Die Sonde wird unter der Kleidung kaum sichtbar und stört die meisten Kinder im Alltag weniger, als Eltern erwarten.
Was viele Familien berichten: Nach der anfänglichen Unsicherheit wird die PEG schnell zu einem normalen Teil des Alltags. Die ständige Sorge, ob das Kind genug trinkt, fällt weg — und damit oft auch ein großer Stressfaktor für die ganze Familie.
Wann wird die PEG wieder entfernt?
Die PEG ist in vielen Fällen nicht für immer. Sobald Dein Kind stabil genug trinkt, um seinen Bedarf selbstständig zu decken, kann die Sonde entfernt werden. Das entscheidet der Kinderarzt oder Gastroenterologe anhand der Gewichtsentwicklung und der Trinkmenge über mehrere Wochen.
Die Entfernung selbst ist deutlich einfacher als die Anlage — oft wird die Sonde einfach gezogen und die Öffnung verschließt sich innerhalb weniger Tage von selbst. Bei einigen Sondentypen ist ein kurzer endoskopischer Eingriff nötig. Die ESPGHAN empfiehlt, die Sonde erst nach einer Phase von 8–12 Wochen zu entfernen, in der das Kind nachweislich genug oral aufnimmt. In beiden Fällen ist es ein kleiner Schritt, der für viele Familien ein großer Meilenstein ist.
Häufige Fragen zur PEG bei Frühgeborenen
Tut die PEG meinem Kind weh?
Nach der Anlage kann die Stelle in den ersten Tagen empfindlich sein. Im Alltag spüren die meisten Kinder die Sonde aber nicht — sie gewöhnen sich sehr schnell daran.
Kann mein Kind mit PEG in die Kita?
Ja, grundsätzlich schon. Es braucht eine Einweisung des Kita-Personals in die Sondenbedienung. Viele Frühchen mit PEG besuchen ganz normal die Kita — sprecht frühzeitig mit der Einrichtung.
Wird mein Kind jemals normal essen lernen?
In den allermeisten Fällen: ja. Viele Frühchen lernen parallel zur Sondenernährung das orale Essen — manche brauchen dafür logopädische Unterstützung. Der Übergang ist oft fließend und individuell.
Wie lange bleibt die PEG?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Bei manchen Kindern sind es Wochen, bei anderen Monate oder länger. Entscheidend ist, wann Dein Kind genug selbst trinken und essen kann.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Entscheidung über eine PEG-Anlage wird immer individuell und gemeinsam mit dem behandelnden Ärzteteam getroffen.