Jennifer mit Jan E. ( Frühchen 28+6 SSW )

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Jennifer brachte ein Frühchen der 28+6 SSW zur Welt. Wie für die meisten, kam dies auch für Jennifer  überraschend, sodass nun eine Achterbahn der Gefühle startete.

Hallo Jennifer, bitte stelle dich unseren Lesern kurz vor 🙂

Hallo Ihr Lieben, mein Name ist Jennifer ich bin 28 Jahre alt und bin seit drei Jahren glücklich verheiratet. Mit meinem Mann bin ich allerdings schon seit neun Jahren zusammen.

Wann kam dein Frühchen zur Welt und wie alt ist dein Frühchen heute?

Unser kleiner Sohn wurde am 07.12.2014 per Sectio in der 28+6 SSW mit einem Startgewicht von 1480g und 38 cm geboren. Heute ist Jan fast 2 Jahre alt und wiegt gute 10 kg.

Gab es in der Schwangerschaft bereits Probleme?

Meine Schwangerschaft verlief bis zum 06.12.2014 ohne Probleme und Vorkommnisse. Bis auf kleine Wehwehchen die so jede Schwangere hat war alles völlig normal. Jan ist ein absolutes Wunschkind, und ich wurde nach nur einem Monat nach Absetzen der Pille schwanger. Wir waren überglücklich als wir den Positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielten.

Wie war die Geburt für dich? Welche Gefühle haben dich dabei begleitet? War es eine natürliche Geburt oder ein Kaiserschnitt?

Jan war ein sehr aktives Kind in meinem Bauch, durch meine Hinterwand Plazenta spüre ich ihn schon sehr früh. Bis zum 06.12.2014 – da hörten die Bewegungen plötzlich auf. Ich war an diesem Tag sehr beschäftigt und dachte mir im ersten Moment nichts dabei. Als ich am Abend allerdings Baden ging und der Kleine sich noch immer nicht bewegte was er immer durch die Wärme tat, wurde ich unruhig. Ich merkte es stimmt etwas nicht, ich kann es nicht beschreiben aber ich hatte so ein irrsinniges komisches Gefühl. Mein Mann wollte mich beruhigen in dem er sagte: Naja, er bewegt sich heute halt nicht so viel er wird bestimmt schlafen. Aber von Stunde zu Stunde wurde ich nervöser. Also führ ich ins Krankenhaus in der Hoffnung das alles in Ordnung sei und man mich beruhigen könne.  Man machte ein CTG und einen Ultraschall und siehe da alles sei in bester Ordnung. Die Ärztin empfahl mir aber auf Grund von mangelnden Kindsbewegungen eine Nacht zur Beobachtung im Klinikum zu bleiben. Und das tat ich auch.

Frühchen 28+6 SSWAm nächsten Morgen wurde nochmals ein Kontroll-CTG veranlasst, der diensthabende Arzt sagte mir, dass etwas mit dem Herzschlag meines Babys nicht stimme. Ich wurde sofort in den Kreißsaal zur Dauerüberwachung gebracht. Ich war total verwirrt; gestern war doch noch alles gut, nach den Aussagen der Ärztin. Es wurde ein Ultraschall gemacht und Jan wollte und wollte sich nicht bewegen, er befand sich in einer schon-Stellung und sein Herzschlag blieb konstant, was sehr ungewöhnlich ist. Diese Untersuchungen zogen sich den ganzen Tag und es wurden immer mehr Ärzte zur Beratung herangezogen. Man war sich total unsicher was mit meinem Sohn nicht stimmte. Immer an meiner Seite mein Mann.

Ich war sehr ruhig, ich dachte nicht im Traum daran, dass mein Sohn ein Frühchen wird und schon gar nicht per Kaiserschnitt geboren wird. Das war einfach nicht die Vorstellung in meinem Kopf.

Ich würde Jan nach 40 Wochen ganz normal gebären und gesund und munter, überglücklich an meinem Bett stehen haben.

Ja, so dachte ich es mir immer aus. Doch es sollte alles anders kommen. Am Abend war ganz zufällig eine Spezialistin im Klinikum. Sie machte nochmals einen Ultraschall der gefühlt zehnte an diesem Tag. Sie schaute sehr ernst und konzentriert. Sie sagte uns, dass Jan ausblutet – das Blut von der Nabelschnur, welches ihn versorgen sollte, läuft an mich zurück. Daher bewegte er sich nicht. Ich wurde sofort in eine andere Klinik verlegt es musste alles sehr schnell gehen. Daher wurden wir mit Blaulicht im Rettungswagen und mit einem Arzt der Jan dauerhaft überwachte in die Klinik gebracht. Dort wurde ich nochmals Untersucht und sofort ein Not-Kaiserschnitt gemacht. Im OP war ich so aufgeregt das mein Blutdruck in die Höhe schnalzte. Sein Kind nicht sehen zu dürfen und nicht schreien zu hören ist schrecklich. Man legte mich in ein Einzelzimmer, weil man davon ausging das Jan es wohl nicht schaffen würde. Er wurde dann in der 28+6 SSW um 20:25 Uhr geboren mit gerade mal noch 13 Herzschlägen in der Minute und einem Hämoglobinwert von 2,7 es war aller höchste Eisenbahn. Dies alles erzählte man mir aber nicht, sondern nur meinem Mann. Mein Mann wollte mich beruhigen und sagte es sei alles in Ordnung. Was hätte er auch sagen sollen.

image2Wann durftest du dein Frühchen zum ersten Mal sehen? Wie lief das ab? Wurde dir alles erklärt?

So ein Kaiserschnitt ist echt kein Spaziergang, ich fühle mich schrecklich und diese Ungewissheit machte mich wahnsinnig. Ich wollte meinen Sohn sehen. Dies war mein einziger Gedanke. Am Nachmittag quälte ich mich in einen Rollstuhl und mein Mann fuhr mich zu unserem Jungen. Eine Ärztin klärte uns auf, ich weiß heute nicht mehr was Sie gesagt hat. Es lief alles wie ein Film ab. Als ich Jan das erstmal sah war ich schockiert und glücklich zu gleich. Das war er also mein Sohn. So wunderschön, zart und doch so zerbrechlich. Diese ganzen Schläuche und Kabel machten mir Angst.

Gab es bei deinem Frühchen der 28+6 SSW Komplikationen nach der Geburt / während der Zeit auf der Neonatologie?

Jan entwickelte sich zuerst sehr gut. Nach einer Woche durfte ich das erstmal sogar mit ihm kuscheln. Eigentlich konnte ich kaum sitzen vor Schmerzen aber der Gedanke, meinem Sohn endlich wieder nah sein zu können, ließ mich die Schmerzen vergessen. Es war unbeschreiblich schön. Jan nahm gut zu und wollte nach acht Tagen sogar schon selbst atmen so das man ihn nur noch unterstützte beim Atmen. Doch bei einem unserer vielen Besuche teilte man uns mit, dass durch die mangelnde Blutversorgung Jan’s linke Gehirnhälfte anfängt abzusterben. Es war wie ein böser Traum aus dem man einfach erwachen möchte. Wir wussten nicht was uns die Zukunft bringen würde. Dazu hatte ich Angst dass das alles zu viel für meinen Mann werden würde das er uns verlässt. Doch das tat er natürlich nicht. Er sagte mir: das ist unser Sohn und wir werden ihn lieben so wie er ist. Ich hätte ihn auf der Stelle nochmal heiraten können. Jan hatte viele Probleme mit der Atmung, diese setzte oft aus. Er überstand eine Grippe. Doch sein Gehirndefekt entwickelte sich nicht so tragisch wie anfangs angenommen. Wir durften ihn an seinem Geburtstermin 23.2.2015 mit 50 cm und 3330 g endlich nachhause nehmen.

Interview

Während des Klink Aufenthalts war ich oft sehr überfordert, wütend und sehr verzweifelt. Das Personal auf der Neonatologie war stets sehr Verständnisvoll. Ich konnte diese Mütter nicht sehen die unten vor der Klinik standen, die Kinder wie die Katzen warfen, auf nichts in der Schwangerschaft achten und trotz alledem gesunde Kinder bekamen. Nicht falsch verstehen. Ich gönne jeder Mutter ihr Kind aber zu der Zeit war ich einfach nicht ich selbst und da wird man oft sehr ungerecht. Da oben lag mein kleiner Junge der um sein Leben kämpfe und ich hatte doch auf alles geachtet. Also warum passierte mir das. Die Frage warum stellte ich mir zu dieser Zeit sehr häufig. Ich konnte es einfach nicht verstehen. Heute weiß ich man hat einfach nicht alles in seiner Hand. Aber man kann aus jeder Situation das Beste machen.

Konntest oder wolltest du stillen? Gab es eine Stillberaterin im Krankenhaus? Wurde dir alles erklärt?

Stillen konnte ich leider nicht lange am Anfang habe ich die Milch immer Abgepumpt und Jan hat Sie sondiert bekommen. Nach sechs Wochen konnte ich mit Hilfe der Stillberaterin Jan das erstmal richtig stillen. Allerdings war die Milch nach vier Monaten weg durch den ganzen Stress. Ich fand es sehr schade aber es gab wichtigeres.

image6Wie entwickelt sich dein Frühchen? Habt ihr noch viele Arztbesuche?

Jan Entwicklung läuft super man merkt heute nicht mehr, dass er ein Frühchen ist. Er fängt gerade an zu laufen, sprechen kann er aber noch nicht kommt bestimmt noch. Er ist ein rechter Wildfang und hat eine Menge Hummeln im Hintern. Es ist oft sehr anstrengend aber er bringt mich so oft zum Lachen und ich bin unendlich froh ihn zu haben. Er bereichert unser Leben so ungemein. Man sollte für jede schlaflose Nacht, für jeden Tobsuchtsanfall dankbar sein. Es hätte auch ganz anders kommen können.

Wir müssen nach wie vor zweimal in der Woche zur Krankengymnastik. Vom Gehirndefekt merkt man bis heute nichts.

Was würdest du frischgebackenen Frühchen Eltern raten?

image7Anderen Müttern kann ich nur raten hört auf euer Bauchgefühl, es ist in den meisten Fällen immer das Beste. Hätte ich nicht darauf gehört wäre Jan heute nicht da. Und dieses Lächeln würde ich wirklich nicht missen wollen.

Liebe Grüße

Jenny


Liebe Jennifer, wir danken dir für das Interview und wünschen euch weiterhin alles Gute für die Zukunft <3

Du bist auch Mutter/Vater eines Frühchens und möchtest uns eure Geschichte erzählen? Dann melde dich unter interview@fruehchen-portal.de oder fülle einfach direkt hier unseren Fragebogen aus 🙂

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