Neonatologie - auf der Intensivstation

Frühgeburt in der 33. SSW: Was jetzt auf Eltern zukommt

Anmelden zum Speichern
Frühgeburt in der 33. SSW: Was jetzt auf Eltern zukommt
Platzhalterbild: KI-generiertes Bild

Wenn die Geburt in der 33. Schwangerschaftswoche beginnt

Die Wehen setzen ein, oder die Ärztin und der Arzt sprechen plötzlich von einer bevorstehenden Geburt, und das mehrere Wochen vor dem errechneten Termin. Für dich ist das in den meisten Fällen ein Schock, egal wie viel du vorher über Frühgeburten gelesen hast. Die 33. Schwangerschaftswoche (SSW) fühlt sich nach „viel zu früh“ an, und dieses Gefühl ist nachvollziehbar. Gleichzeitig lohnt sich ein genauer Blick auf das, was medizinisch tatsächlich bekannt ist: Die 33. SSW liegt in einem Bereich, in dem sich die Aussichten für Frühgeborene deutlich von denen sehr früher Frühchen unterscheiden.

Kinder, die zwischen der 32. und 36. SSW geboren werden, haben sehr gute Überlebenschancen. Eine eigene deutsche Überlebenszahl nur für die 33. SSW gibt es nicht. Einen Anhaltspunkt gibt die große französische Studie EPIPAGE-2: Kinder, die dort 2011 mit 32 bis 34 vollendeten Schwangerschaftswochen lebend geboren wurden, überlebten zu 98,9 Prozent bis zur Entlassung aus der Klinik, und 96,8 Prozent überlebten ohne schwere Erkrankung in der Neugeborenenzeit. Das ist eine Studie aus einem anderen Land und aus einem früheren Jahrgang, sie zeigt aber gut die Größenordnung. Wie es den Kindern später langfristig geht, beschreiben diese Zahlen nicht. Mehr Einordnung und die deutschen Zahlen für die früheren Wochen findest du im Artikel zu den Überlebenschancen bei Frühgeburt.

Das ändert nichts daran, dass ein Kind, das in der 33. SSW zur Welt kommt, noch nicht „fertig“ ist. Bestimmte Organsysteme sind zu diesem Zeitpunkt noch in der Reifung, und genau diese Unreife bestimmt, was in den ersten Tagen und Wochen auf der Neugeborenen- oder Frühchenstation passiert. Im Folgenden findest du, was in der 33. SSW medizinisch zu erwarten ist, was sich von früheren Frühgeburten (etwa der 28., 30. oder 32. SSW) unterscheidet und was du in dieser Situation konkret tun kannst. Die Einschätzung für dein Kind bekommst du vom Team vor Ort, das dein Kind kennt.

Warum die 33. SSW ein besonderer Zeitpunkt ist

In der Entwicklung eines ungeborenen Kindes ist die Zeit zwischen der 32. und 34. SSW eine Übergangsphase. Mehrere zentrale Körperfunktionen befinden sich in dieser Phase im letzten Reifungsschritt, bevor sie termingerecht funktionsfähig wären. Kinder, die zwischen 34+0 und 36+6 SSW geboren werden, gelten in der Fachliteratur als „späte Frühgeborene“ und haben laut MSD Manual seltener schwere Komplikationen wie eine nekrotisierende Enterokolitis, eine Frühgeborenenretinopathie, eine bronchopulmonale Dysplasie oder eine intraventrikuläre Hirnblutung als früher geborene Kinder. Die 33. SSW liegt unmittelbar vor dieser Schwelle. Das bedeutet: Das Risiko für diese Komplikationen ist gegenüber der 28. bis 32. SSW bereits deutlich geringer, gegenüber einem „späten Frühchen“ aber noch etwas erhöht. Du befindest dich damit in einer Übergangszone, spürbar näher an der Reife als bei einer sehr frühen Frühgeburt, aber noch nicht in dem Bereich, in dem kaum noch besondere Betreuung nötig wäre.

Deshalb unterscheidet sich die Situation in der 33. SSW spürbar von der 30. oder 32. SSW: Mit jeder Woche, die dein Kind länger im Mutterleib bleibt, verändern sich Risiko und Betreuungsaufwand. Auch Kinder, die schon recht groß und kräftig aussehen, brauchen in dieser Woche oft noch Unterstützung.

Die Lunge: Atmung und das Risiko eines Atemnotsyndroms

Eine der wichtigsten Reifungsleistungen, die in der 33. SSW noch nicht abgeschlossen ist, betrifft die Lunge. Für eine stabile, eigenständige Atmung braucht es eine ausreichende Menge an Surfactant, einer Substanz, die verhindert, dass die kleinen Lungenbläschen (Alveolen) bei der Ausatmung zusammenfallen. Laut MSD Manual ist die Surfactant-Produktion bei Frühgeborenen oft noch zu gering, um das sicher zu verhindern; als weitgehend abgeschlossen gilt die Surfactant-Reifung erst um die 34. bis 36. SSW.

Das bedeutet für dein Kind, wenn es in der 33. SSW geboren wird: Das Risiko für ein Atemnotsyndrom ist noch erhöht, nimmt aber mit jeder weiteren Schwangerschaftswoche spürbar ab. In der Praxis zeigt sich das oft als leichtere bis mittelschwere Atemunterstützung, etwa durch zusätzlichen Sauerstoff oder nicht-invasive Atemhilfen, die je nach Reifegrad unterschiedlich lange nötig ist. Wie lange genau, kann nur das neonatologische Team im Einzelfall beurteilen.

Trinken und Ernährung: Saugen, Schlucken, Atmen im Dreiklang

Ein Neugeborenes muss beim Trinken drei Dinge gleichzeitig koordinieren: saugen, schlucken und atmen. Diese Koordination reift laut MSD Manual erst zwischen der 32. und 36. SSW vollständig aus. Vor der 34. SSW ist sie meist noch nicht ausreichend. Deshalb brauchen viele Kinder, die in der 33. SSW geboren werden, zunächst eine Sonden- oder Infusionsernährung.

Das klingt für dich zunächst vielleicht beunruhigend, ist aber ein gut verstandener und gezielt begleiteter Übergangsschritt. Viele Kinder in der 33. SSW brauchen noch eine Magensonde, denn Saugen, Schlucken und Atmen finden meist erst zwischen der 32. und 36. Woche richtig zusammen. Anlegen, Schnuppern, Lecken und erste kurze Trinkversuche an der Brust sind trotzdem oft schon möglich. Die Sonde wird dann Schritt für Schritt weniger, im Tempo deines Kindes und in Absprache mit dem Team. Ein in der 33. SSW geborenes Kind befindet sich also in genau jenem Fenster, in dem die orale Nahrungsaufnahme Schritt für Schritt aufgebaut wird.

Wärmeregulation: Warum der Inkubator wichtig ist

Auch die Fähigkeit, die eigene Körpertemperatur zu halten, ist bei deinem Frühchen in der 33. SSW noch unreif. Zwei Dinge spielen dabei zusammen: wenig Unterhautfettgewebe, das als Isolierschicht fehlt, und eine im Verhältnis zur Körpermasse große Körperoberfläche, über die schnell Wärme verloren geht. Deshalb ist ein Inkubator oder ein Wärmebett in den ersten Tagen bis Wochen meist nötig, um dein Kind vor Auskühlung zu schützen. Das ist Routine auf jeder Neonatologiestation und wird abgebaut, sobald dein Kind selbst genug Wärme bilden und halten kann.

Blutzucker und Gelbsucht: Häufige, meist gut behandelbare Themen

Zwei weitere Themen begegnen dir wahrscheinlich in den ersten Tagen nach der Geburt: niedriger Blutzucker und Neugeborenengelbsucht. Frühgeborene haben oft noch geringe Glykogenspeicher, also wenig körpereigene „Zuckerreserve“. Deshalb kann der Blutzucker in den ersten Lebenstagen schwanken, Fachleute sprechen von einer Hypoglykämie, wenn er zu niedrig ist. Die Neugeborenengelbsucht (Hyperbilirubinämie) entsteht, weil die Leber das Bilirubin noch nicht so schnell ausscheiden kann und ein Teil davon im Darm wieder aufgenommen wird.

Beides gehört laut MSD Manual zu den typischen, in diesem Reifealter erwartbaren Themen, und beides lässt sich in aller Regel gut überwachen und behandeln, etwa durch regelmäßige Blutzuckerkontrollen oder eine Phototherapie bei Gelbsucht. Wie die Phototherapie abläuft und was bei Frühchen unter 35 SSW anders ist, liest du im Artikel Hyperbilirubinämie: Gelbsucht bei Neugeborenen und Frühchen.

Weitere mögliche, aber seltenere Komplikationen

Neben diesen recht häufigen Themen gibt es weitere Komplikationen, die möglich, aber im Vergleich zu deutlich früheren Wochen (zum Beispiel der 26. bis 30. SSW) seltener sind. Das MSD Manual nennt dazu eine Hirnblutung (Blutung in die Hirnkammern), kurze Atemaussetzer (Apnoen), eine Erkrankung der Netzhaut (Frühgeborenenretinopathie), eine schwere Darmerkrankung (nekrotisierende Enterokolitis) und einen offenen Ductus arteriosus, also eine Gefäßverbindung am Herzen, die sich nach der Geburt normalerweise verschließt.

Diese Komplikationen treten nicht bei jedem Kind auf. Sie werden auf der Neonatologiestation routinemäßig überwacht, damit sie im Fall der Fälle früh erkannt und behandelt werden können. Dass dein Kind überwacht wird, heißt nicht, dass eine Komplikation eintritt.

Geburtsgewicht und was es bedeutet

Kinder, die in der 33. SSW geboren werden, wiegen im Durchschnitt etwa 2.000 Gramm, wobei die Spannbreite groß ist. Das tatsächliche Gewicht deines Kindes kann je nach Wachstum in der Schwangerschaft davon abweichen, ohne dass das automatisch etwas über seine Gesundheit aussagt. Für die weitere Betreuung spielt das Gewicht aber eine praktische Rolle, etwa beim Trinken und bei der Wärme.

Wie lange bleibt mein Kind auf der Frühchenstation?

Eine der drängendsten Fragen ist wahrscheinlich die nach der Dauer des Klinikaufenthalts. Bei einer Geburt in der 33. SSW musst du eher mit einigen Wochen als mit wenigen Tagen rechnen. Meist ist die Zeit auf der Station aber kürzer als bei Kindern, die in der 28., 29., 30. oder 32. SSW geboren wurden.

Entlassen wird nicht an einem festen Kalendertag und nicht bei einem festen Gewicht. Ein Mindestgewicht, das jedes Kind erreichen muss, gibt es nicht. Entscheidend ist, ob dein Kind seine Temperatur ohne Inkubator halten kann, selbst genug trinkt und dabei verlässlich zunimmt und ob Atmung und Kreislauf ohne Unterstützung stabil sind. Wann das so weit ist, legt das Team für dein Kind individuell fest, und du darfst jederzeit fragen, woran es gerade noch hängt.

Medizinische Versorgung vor der Geburt: Was die Leitlinie sagt

Wenn sich eine Frühgeburt in der 33. SSW ankündigt, etwa durch vorzeitige Wehen, kommen häufig medizinische Maßnahmen zum Einsatz, die deinem Kind eine möglichst gute Ausgangslage geben sollen. Die AWMF-S2k-Leitlinie 015-025 „Prävention und Therapie der Frühgeburt“ gibt dazu klare Empfehlungen.

Zwischen 22+0 und 33+6 SSW kann bei drohender Frühgeburt eine Tokolyse, also eine medikamentöse Wehenhemmung, eingesetzt werden, wenn nichts dagegen spricht. Je nach Situation kommen dafür Betamimetika, Atosiban, Nifedipin oder NO-Donatoren infrage. Laut Leitlinie kann eine Wehenhemmung die Geburt in 75 bis 93 Prozent der Fälle um 48 Stunden hinauszögern und in 62 bis 78 Prozent der Fälle um 7 Tage. Dieses Zeitfenster wird oft genutzt, um weitere vorbereitende Maßnahmen zu ermöglichen und deinem Kind zusätzliche Reifungszeit im Mutterleib zu verschaffen.

Die Leitlinie empfiehlt außerdem, früh eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt beziehungsweise das Team der Neonatologie einzubeziehen, wenn eine Frühgeburt droht, sowohl für die Behandlung als auch zur Beratung der Eltern. Droht die Geburt vor 34+0 SSW, empfiehlt die Leitlinie eine Lungenreifung mit Kortison. Frag nach, ob sie bei dir schon gegeben wurde oder noch möglich ist, das entscheidet das geburtshilfliche Team. Nach der Geburt wird ein verzögertes Abnabeln empfohlen. Die zusätzliche Empfehlung, bei Kindern unter der 28. SSW auf das Ausstreichen der Nabelschnur zu verzichten, betrifft Kinder in der 33. SSW nicht.

Was du jetzt konkret tun kannst

In einer Situation, die sich oft überstürzt und unübersichtlich anfühlt, helfen dir kleine, machbare Schritte mehr als der Versuch, alles auf einmal zu verstehen oder zu kontrollieren.

Schreib dir deine Fragen auf und stell sie. Jede Frage zum Zustand deines Kindes, zu geplanten Maßnahmen oder zum weiteren Verlauf darfst du dem Team stellen, auch mehrmals. Wenn eine Frühgeburt droht, hilft es, schon vor der Geburt mit dem neonatologischen Team zu sprechen, das dein Kind später betreut. Laut Leitlinie ist genau das auch vorgesehen.

Sprich das Känguruhen an. Sobald der Zustand deines Kindes es zulässt, ist Haut-zu-Haut-Kontakt eine wichtige Möglichkeit für Nähe, Bindung und Beruhigung, für dich und dein Frühchen. Das Pflegeteam sagt dir, wann das möglich ist. Beim Stillen oder Füttern darfst du Geduld mit euch beiden haben: Weil Saugen, Schlucken und Atmen erst noch zusammenfinden, ist eine anfängliche Sonden- oder Zufütterung kein Rückschritt, sondern ein normaler Zwischenschritt.

Vergiss deine eigene Erholung nicht. Gerade nach einer belastenden Geburt oder einem Klinikaufenthalt mit Wehenhemmung brauchst du Ruhephasen, wo immer sie sich einrichten lassen. Viele Kliniken vermitteln Kontakt zu anderen Frühcheneltern oder zu Selbsthilfestrukturen wie dem Bundesverband „Das frühgeborene Kind“. Mit Menschen zu sprechen, die Ähnliches erlebt haben, kann sehr entlasten.

Und nimm die kleinen Fortschritte wahr: ein paar Gramm mehr auf der Waage, eine Nacht ohne zusätzlichen Sauerstoff, die erste Mahlzeit an der Brust. Auf der Neonatologie sind genau solche Schritte die eigentliche Währung des Fortschritts, auch wenn sie klein wirken.

Nach der Entlassung: Das korrigierte Alter

Auch nach der Entlassung bleibt ein Begriff für dich wichtig: das korrigierte Alter. Dafür zieht man vom tatsächlichen Alter deines Kindes die Wochen ab, die es zu früh geboren wurde. Ist dein Kind in der 33. SSW zur Welt gekommen, kam es etwa 7 Wochen zu früh (bei einem errechneten Termin in der 40. SSW).

Das korrigierte Alter ist die richtige Bezugsgröße, wenn es um Entwicklungsschritte geht, also um Dinge wie Lächeln, Sitzen, Krabbeln oder Laufen. Es wird bis zu einem Alter von etwa zwei Jahren angewendet; danach werden die Entwicklungsschritte mit denen termingerecht geborener Kinder verglichen. Wenn du merkst, dass dein Kind bestimmte Meilensteine „später“ erreicht als gleichaltrige, termingerecht geborene Kinder, nimm zunächst das korrigierte statt des tatsächlichen Alters als Maßstab.

Auch die längerfristige Perspektive ist für die meisten Familien beruhigend: Je später eine Frühgeburt eintritt, desto günstiger sind im Allgemeinen die Aussichten für die Entwicklung. Eine belastbare, allgemeingültige Prozentzahl für „keine langfristigen Folgen“ gibt es nicht, zu unterschiedlich sind Studienlage, Nachbeobachtungszeit und individuelle Faktoren. Die große Mehrheit der Kinder, die in der 33. SSW geboren werden, hat später keine schweren oder mittelschweren Beeinträchtigungen. Leichtere Schwierigkeiten, vor allem beim Denken und Lernen, kommen etwas häufiger vor als bei reif geborenen Kindern. Ob sich bei deinem Kind etwas zeigt, sieht die Nachsorge nach der Entlassung.

Zum Vergleich frühere Wochen: 30. SSW · 32. SSW.

Zum Schluss: Dein Kind im Blick behalten

Statistiken und Leitlinien können einordnen und erklären, warum bestimmte Maßnahmen ergriffen werden. Die Einschätzung deines Kindes vor Ort ersetzen sie nicht. Jedes Kind, das in der 33. SSW geboren wird, hat einen eigenen Reifegrad, eine eigene Geschichte und einen eigenen Verlauf. Manche Kinder brauchen kaum Unterstützung, andere etwas mehr Zeit.

Deine Fragen zum Zustand, zur Behandlung, zu den Aussichten oder zur Entlassung deines Kindes sind beim Team am besten aufgehoben, bei Ärztinnen und Ärzten, Hebammen und den Pflegenden auf der Station. Was hier steht, soll dir eine erste Orientierung geben und dir helfen, die richtigen Fragen zu stellen.