Babyernährung, Frühchenernährung

Wachstumsschübe und Ernährung

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Wachstumsschübe und Ernährung

Was sind Wachstumsschübe bei Frühchen?

In den ersten Lebensmonaten machen alle Babys sogenannte Wachstums- und Entwicklungsschübe durch. Das gilt für Frühchen genauso wie für termingeborene Kinder — allerdings verschiebt sich der Zeitplan oft ein wenig, weil bei Frühgeborenen das korrigierte Alter eine Rolle spielt. Während solcher Schübe entwickeln sich Gehirn und Körper Deines Kindes in besonders schnellem Tempo. Das ist eine gute Nachricht, auch wenn es sich für Dich vielleicht gerade nicht so anfühlt.

Denn ein Schub kann das gewohnte Tagesgeschehen ordentlich durcheinanderbringen. Vielleicht merkst Du, dass Dein Frühchen plötzlich deutlich mehr trinken möchte, häufiger weint, schlechter schläft oder einfach ungewöhnlich unruhig ist. All das sind typische Zeichen — und sie gehen vorüber.

Woran erkennst Du einen Wachstumsschub?

Jedes Kind ist anders, aber einige Anzeichen tauchen bei den meisten Babys auf. Dein Frühchen trinkt auf einmal auffällig mehr — bei Flaschenkindern verschlingt es die Pre-Nahrung regelrecht, bei sondierten Kindern wird eventuell die Sondenmenge nicht mehr ausreichend. Gleichzeitig kann es sein, dass Dein Baby ungewohnt anhänglich ist und viel mehr Nähe und Körperkontakt braucht als sonst.

Typisch ist auch ein veränderter Schlafrhythmus: Manche Kinder schlafen plötzlich schlechter und wachen häufiger auf, andere sind tagsüber ungewöhnlich müde. Manchmal zeigt sich beides gleichzeitig — der gewohnte Tagesablauf scheint einfach Kopf zu stehen. Das ist anstrengend, aber völlig normal.

Auf der anderen Seite gibt es Babys, die während eines Schubes eher ruhiger werden und mehr schlafen. Auch das ist eine Variante und kein Grund zur Sorge. Wichtig ist: Solange Dein Kind insgesamt gut gedeiht und ausreichend nasse Windeln hat, ist alles in Ordnung.

Wann finden die Schübe statt?

Es gibt einige Zeitfenster, in denen Entwicklungsschübe besonders häufig auftreten. Die bekanntesten größeren Schübe fallen in die ersten Lebensmonate:

Zwischen dem siebten und zwölften Lebenstag erleben viele Babys den ersten spürbaren Schub. Der nächste folgt häufig nach etwa sechs bis acht Wochen, und ein weiterer zeigt sich rund um den dritten bis vierten Monat (etwa in der 12. bis 14. Woche). Danach geht es in kürzeren Abständen weiter — rund um die 19., 26., 37., 46. und 55. Lebenswoche beschreiben viele Eltern erneut typische Schub-Anzeichen.

Diese Zeitangaben basieren auf der Forschung von Hetty van de Rijt und Frans Plooij, die in ihrem bekannten Werk Oje, ich wachse! die mentalen Entwicklungssprünge im ersten Lebensjahr beschrieben haben. Die Zeiträume sind dabei Richtwerte — manche Kinder erleben einen Schub etwas früher, andere später, und einige scheinen fast nahtlos von einem Schub in den nächsten überzugehen.

Was bedeutet das bei Frühchen?

Bei Frühgeborenen orientieren sich die Entwicklungsschübe meist eher am korrigierten Alter als am tatsächlichen Geburtsdatum. Das bedeutet: Wenn Dein Kind sechs Wochen zu früh geboren wurde, kann der "Sechs-Wochen-Schub" auch erst mit etwa zwölf Wochen nach der Geburt einsetzen. Aber auch hier gilt: Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Du wirst mit der Zeit ein Gespür dafür entwickeln, wann Dein Kind gerade in einem Schub steckt.

Ernährung während eines Wachstumsschubes

Eine der häufigsten Sorgen von Eltern während eines Schubes: "Mein Baby wird einfach nicht mehr satt!" Dieser Eindruck ist verständlich, denn Dein Kind verlangt tatsächlich häufiger nach Nahrung. Aber das bedeutet in den meisten Fällen nicht, dass es zu wenig bekommt. Vielmehr hat Dein Baby gerade ein erhöhtes Trink- und gleichzeitig ein gesteigertes Saugbedürfnis — es sucht also nicht nur Nahrung, sondern auch Trost und Nähe.

Pre-Nahrung kann nach Bedarf gegeben werden. Du brauchst Dir also keine Sorgen zu machen, wenn Dein Baby in dieser Phase mehr trinkt als üblich. Es ist nicht notwendig, auf eine andere Milchsorte umzusteigen — auch nicht auf sogenannte Folgemilch (2er oder 3er Nahrung).

Warum Folgemilch nicht nötig ist

Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat bereits 2014 klargestellt, dass Folgenahrungen für die Ernährung eines gesunden Säuglings nicht erforderlich sind. Folgenahrungen unterscheiden sich von Pre- oder 1er-Nahrung durch ihren geringeren Anpassungsgrad an die Muttermilch. Ein Wechsel auf Folgemilch bringt Deinem Baby keinen Vorteil — Pre-Nahrung kann über das gesamte Flaschenalter hinweg gegeben werden.

Falls Dein Frühchen noch über eine Sonde ernährt wird und Du den Eindruck hast, dass die sondierte Menge während eines Schubes nicht ausreicht, besprich das am besten mit dem Behandlungsteam. Die Ärztinnen und Ärzte können die Nahrungsmenge anpassen.

Was Du tun kannst

Wachstumsschübe sind anstrengend — für Dein Baby und für Dich. Die gute Nachricht: Sie dauern in der Regel nur ein bis drei Tage. Danach pendelt sich der Rhythmus meist wieder ein. Hier einige Dinge, die vielen Familien in dieser Zeit helfen:

Gib Deinem Kind so viel Nähe, wie es braucht. Häufiges Tragen, Kuscheln und Körperkontakt (Känguru-Methode) helfen Deinem Baby, sich sicher zu fühlen. Auch ein Tragetuch oder eine Tragehilfe können in dieser Phase besonders wertvoll sein — so hast Du Dein Frühchen nah bei Dir und trotzdem die Hände frei.

Lass Dein Baby trinken, so viel und so oft es möchte. Bei Pre-Nahrung gibt es keine Obergrenze, und beim Stillen sorgt häufigeres Anlegen sogar dafür, dass sich Deine Milchmenge an den erhöhten Bedarf anpasst. Dieses sogenannte Cluster-Feeding (gehäuftes Stillen in kurzen Abständen) ist ein natürlicher Mechanismus.

Und: Versuch, gelassen zu bleiben. Das klingt leichter als es ist, besonders wenn die Nächte kurz sind und Dein Baby den ganzen Tag quengelig wirkt. Aber es hilft zu wissen, dass diese Phase ein Zeichen von gesunder Entwicklung ist. Dein Kind wächst — im wahrsten Sinne des Wortes.

Wann zum Arzt?

In den allermeisten Fällen sind Wachstumsschübe harmlos und brauchen keine ärztliche Abklärung. Achte aber darauf, dass Dein Frühchen weiterhin ausreichend nasse Windeln hat (mindestens fünf bis sechs am Tag) und insgesamt gut gedeiht. Wenn Dein Baby über mehrere Tage hinweg deutlich weniger trinkt als sonst, anhaltend Fieber hat oder Dir irgendetwas ungewöhnlich vorkommt, sprich sicherheitshalber mit Eurer Kinderärztin oder Eurem Kinderarzt.

Bei Frühchen, die noch in der Nachsorge betreut werden oder regelmäßige Kontrolltermine im SPZ (Sozialpädiatrisches Zentrum) haben, kannst Du Fragen zum Wachstumsverlauf auch dort ansprechen.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bitte sprich mit dem Behandlungsteam deines Kindes, wenn du Fragen hast.