Frühgeborenen – Retinopathie durch Sauerstoffschwankungen

Wie entsteht eine (Frühgeborenen-) Retinopathie?

Bei Frühchen mit einem Geburtsgewicht unter 2500 Gramm entwickeln sich die Netzhautgefäße noch. (Der meist nötige) Sauerstoff stört diesen Prozess, wodurch sich die unreifen Gefäße verschließen und dann wuchern. Es folgen Glaskörperblutungen, die Netzhaut löst sich teilweise ab und vernarbt. Durch eine möglichst niedrige Sauerstoffzufuhr lassen sich irreparable Schäden weitgehend vermeiden. Es kann vorkommen dass noch während der ITS-Zeit eine OP erforderlich wird,um eine komplette Netzhautablösung zu verhindern. Hierbei werden die Augen gelasert, die Netzhaut wieder “angeheftet”.

Ursachen für Retinopathia praematurorum (Synonym)

ist die Frühgeborenen-Retinopathie (Netzhauterkrankung), die zur Erblindung führen kann.

Diese nichtentzündliche, degenerative (fortschreitende) Netzhauterkrankung wird durch folgende Faktoren verursacht:

  • akute Sauerstoffschwankungen
  • zu hohe Sauerstoffkonzentrationen im Blut (Hyperoxigenierung)- dadurch kommt es zur vermehrten Bildung von neuen
  • Blutgefäßen in der Retina

Zusätzliche Faktoren sind:

  • extreme Unreife unter 1000g Geburtsgewicht
  • Sauerstoffgabe länger als 6 Stunden
  • starke Sauerstoffschwankungen im Blut durch z.B. Apnoe
  • Behandlung mit Indometacin (verursacht Verengung der Retinagefäße und somit Sauerstoffschwankungen)
  • hohe und langanhaltende Beleuchtungsstärke
  • Unreife
  • häufige Transfusionen

Durch die neuen Gefäße der Netzhaut kann es zu Blutungen, Vernarbungen und Netzhautablösung kommen; was zu einer erheblichen Sehbeeinträchtigung und im schlimmsten Fall zur Erblindung führen kann.

Wie ist der Verlauf bei einer Retinopathie?

In der Regel sind beide Augen eines erkrankten Frühgeborenen betroffen. Der Verlauf ist variabel. Erste Veränderungen können nach ca. 3 Wochen registriert werden, das Maximum der Erkrankung ist um den errechneten Geburtstermin zu erwarten. Ca. 6 Monate nach der Geburt beginnt die Vernarbungsphase.

Eingeteilt wird die Frühgeborenenretinopathie in vier Stadien.

  1. eine grau-weißliche Grenzlinie trennt die normale Netzhaut von der Unreifen ab
  2. Im Bereich der Grenzlinie befindet sich ein erhabener wallartiger Bindegewebsrand
    Es bilden sich neue abnorme Blutgefäße, das Bindegewebe am wallartigen Rand vermehrt sich. Bindegewebe und Blutgefäße wachsen an den Glaskörper
  3. Partielle Netzhautablösung durch Traktion (Zug) von Blutgefäßen und Bindegewebe
  4. Komplette Netzhautablösung

Zur Therapie werden mit einem Kältestab, der von außen an die Lederhaut geführt wird, oder mit einem Laser die Gefäßwucherungen verödet. Oft sind mehrere Sitzungen notwendig.

Prognose und mögliche Spätfolgen bei der Frühgeborenen Retinopathie

Die Prognose hängt von der Zeit des Entdeckens ab. Durch Konsequente Untersuchungen der gefährdeten Frühgeborenen, kann die Erkrankung meist in einem Stadium entdeckt werden, in dem eine Erblindung durch entsprechende Therapie noch zu verhindern ist. Bei Netzhautablösungen sind die Erfolge enttäuschend.

Spätfolgen können sein

  • Schielen, Schwach- und Kurzsichtigkeit
  • selten- Glaukom
  • bei wenigen Patienten tritt eine späte Netzhautablösung nach Jahren auf.

Prophylaxe: Wie kann man eine Frühgeborenen Retinopathie vermeiden?

Zur Prophylaxe gehören vor allem das Vermeiden von Sauerstoffschwankungen und eine korrekt eingesetzte Sauerstofftherapie (bei Bedarf), mit einer sorgfältigen Überwachung (durch eine Kapnode) und sorgfältigen engmaschigen Kontrolluntersuchungen durch einen Ophtalmologen. Bei einer Apnoe muss das Kind stimuliert werden ohne eine Erhöhung der Sauerstoffzufuhr, da es sonst beim erneuten Atembeginn zu einem zu schnellen Sauerstoffanstieg im Blut kommt. Je nach Ausmaß und Häufigkeit der Schwankungen wird zum Beispiel über eine Coffeingabe oder erneute Intubation, kontinuierliche der Situation angepasste Sauerstoffzufuhr nachgedacht.