NIDCAP als Pflegekonzept für Frühgeborene

NIDCAP

NIDCAP wird in den USA bereits seit mehr als 28 Jahren angewandt, hierzulande hielt und hält es nur zögerlich Einzug. Dies liegt zum einen daran, dass es für viele noch neu und somit unbekannt ist und zum anderen werden die Kenntnisse über die Inhalte dieses Konzepts nicht, falsch oder nicht vollständig verbreitet.

Psychologische Vs. medizinische Betreuung

Während sich im Bereich der Neonatologie im Wesentlichen in den letzten Jahrzehnten um die adäquate medizinische Betreuung Gedanken gemacht wurde um dem Frühgeborenen einen bestmöglichen Start ins Leben angedeihen zu lassen, hält nach und nach ein Pflegekonzept Einzug, welches sich auch mit der Psyche der kleinsten befasst.

Ziele und Möglichkeiten des NIDCAP Konzeptes

Wesentliches Ziel des Konzeptes ist die Verbesserung der kognitiven und körperlichen Entwicklung. Bisherige Erfahrungen mit diesem Konzept haben gezeigt, dass Frühchen deutlich weniger häufig Komplikationen wie beispielsweise BPD, NEC oder ROP erleiden. Ebenso wurde eine geringere Beatmungsdauer beobachtet, weniger sauerstoffpflichtige Tage und eine frühere Entwöhnung von der Sonde. Auch für Beteiligte zeigten sich positive Auswirkungen. So stieg die Zufriedenheit des Personals im Job und der Stresspegel der Eltern sank, was sich insbesondere bei der Mutter auch positiv auf die Milchbildung auswirken kann.

Umsetzung des NIDCAP Konzeptes – einige Beispiele

In der Praxis wird insbesondere auch auf die mentalen Bedürfnisse des Kindes eingegangen und die kleinen Frühstarter als individuelle Persönlichkeiten mit eigenem Willen betrachtet. So wird die Umgebung auf abzustellende Störfaktoren überprüft und dementsprechend angepasst (Reduktion von Licht, Herabsetzen der Geräuschkulisse). Des Weiteren wird auf die räumlichen Gegebenheiten geachtet – gibt es ausreichend Platz für die Eltern zum Känguruhen oder Stillen? Gibt es Übernachtungsmöglichkeiten für die Eltern?

Das frühgeborene Kind soll in seinen physiologischen Bewegungen langsam und ruhig unterstützt werden. Stellt man Unruhe beim Kind fest, so wird angemessen reagiert. Insgesamt soll die Pflege nach dem Konzept der Bezugspflege durchgeführt und die Eltern so viel wie möglich eingebunden werden.

Fazit zum NIDCAP Konzept

Es wäre zu begrüßen, wenn das NIDCAP Konzept auch hierzulande mehr Anklang findet. Mutmaßlich könnte die detaillierte Umsetzung mit den verbundenen Kosten zusammenhängen, die unter anderem durch die notwendige Zusatzausbildung und den damit verbunden Ausfall der Fachkräfte entstehen. Geschätzt belaufen sich diese auf etwa 5000 US-Dollar pro Person. Des Weiteren ist mit Umbaumaßnahmen oder Anschaffungen zu rechnen. Jedoch ist es so, dass durch die Effekte, die dieses Konzept mit sich bringt, eine kürzere Verweildauer und ein deutlich besseres Outcome für das Frühgeborene mit weniger Komplikationen und somit auch Folgeschädigungen zu erwarten sind. Dies senkt wiederum die Behandlungskosten, sodass sich die Umstellung für alle Beteiligten lohnen könnte.

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