Surfaktant

S Aktualisiert 08.03.2026 Anmelden zum Speichern

Was ist Surfaktant?

Surfaktant (auch Surfactant geschrieben) ist ein Gemisch aus Fetten und Eiweissen, das die Innenwaende der Lungenblaecschen (Alveolen) auskleidet. Es sorgt dafuer, dass die winzigen Blaecschen beim Ausatmen nicht zusammenfallen. Ohne diese schuetzende Schicht wuerde die Lunge bei jedem Atemzug kollabieren – das Atmen waere unmoeglich.

Bei Erwachsenen und reif geborenen Babys ist genuegend Surfaktant vorhanden. Bei Fruehgeborenen sieht das anders aus: Die Surfaktant-Produktion beginnt zwar schon ab etwa der 20. Schwangerschaftswoche, reicht aber erst ab der 34.–35. SSW fuer eine stabile Atmung aus. Volle Lungenreife erreicht ein Baby erst um die 36.–37. SSW.

Warum ist Surfaktant fuer Fruehchen so wichtig?

Kommt Dein Kind zu frueh auf die Welt, hat seine Lunge moeglicherweise noch nicht genug Surfaktant produziert. Je frueher die Geburt, desto groesser dieses Risiko. Bei sehr frueh geborenen Babys (vor der 28. SSW) benoetigt ein Grossteil Unterstuetzung beim Atmen – bei spaeten Fruehgeborenen (32.–36. SSW) ist es deutlich seltener der Fall.

Die gute Nachricht: Die Medizin hat heute sehr wirksame Moeglichkeiten, Deinem Kind zu helfen. Surfaktant kann als Medikament direkt in die Lunge gegeben werden und wirkt oft innerhalb von Minuten.

Was ist ein Atemnotsyndrom (RDS)?

Wenn ein Fruehchen zu wenig Surfaktant hat, kann ein sogenanntes Atemnotsyndrom (englisch: Respiratory Distress Syndrome, abgekuerzt RDS) entstehen. Das Behandlungsteam erkennt es an typischen Zeichen:

  • Schnelle Atmung (Tachypnoe)
  • Einziehungen – die Haut zwischen den Rippen oder unter dem Brustbein zieht sich beim Einatmen sichtbar ein
  • Stoehnen beim Ausatmen (Grunting) – das Baby versucht instinktiv, die Lunge offen zu halten

Zur Diagnose wird haeufig ein Roentgenbild der Lunge angefertigt und eine Blutgasanalyse durchgefuehrt. Viele Fruehchen werden zunaechst mit CPAP (einer nicht-invasiven Atemunterstuetzung ueber eine Nasenbrille) behandelt. Reicht das allein nicht aus, kommt Surfaktant zum Einsatz.

Die Surfaktant-Therapie

Bei der Surfaktant-Gabe wird ein fluessiges Praeparat direkt in die Lunge Deines Kindes eingebracht. Heute geschieht das auf den meisten Neonatologie-Stationen ueber ein schonendes Verfahren namens LISA (Less Invasive Surfactant Administration): Ein sehr duenner, weicher Katheter wird kurz in die Luftroehre eingefuehrt, waehrend Dein Baby weiter selbst atmet – eine Beatmung ueber einen Tubus ist dabei meist nicht noetig. Anschliessend wird der Katheter sofort wieder entfernt.

Die Wirkung setzt oft erstaunlich schnell ein: Schon innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden braucht Dein Kind haeufig weniger Sauerstoff und atmet ruhiger. Falls noetig, kann die Gabe wiederholt werden (eine zweite oder sogar dritte Dosis).

Die verwendeten Praeparate (zum Beispiel Curosurf oder Survanta) stammen aus tierischer Lunge und werden seit Jahrzehnten sicher eingesetzt. Die Surfaktant-Therapie hat die Ueberlebenschancen von Fruehgeborenen mit Atemnotsyndrom entscheidend verbessert.

Lungenreifung – vorbeugende Massnahme

Wenn eine Fruehgeburt droht, kann die Surfaktant-Produktion in der Lunge Deines Babys angeregt werden: Du bekommst als Mutter Kortison-Spritzen (meist Betamethason), die ueber die Plazenta wirken und die Lungenreifung des Kindes beschleunigen. Diese Lungenreifungsbehandlung wird typischerweise zwischen der 24. und 34. SSW eingesetzt und ist eine der wirksamsten vorbeugenden Massnahmen in der Geburtsmedizin.

Haeufige Fragen von Eltern

„Mein Kind bekommt Surfaktant – ist das schlimm?“
Nein. Die Surfaktant-Gabe ist heute eine Routine-Behandlung auf Neonatologie-Stationen und gilt als sehr sicher. Dein Kind bekommt etwas, das seine Lunge eigentlich selbst produzieren wuerde – nur eben etwas frueher als geplant.

„Tut die Gabe meinem Baby weh?“
Die moderne LISA-Methode ist so schonend wie moeglich. Dein Kind wird dabei ueberwacht und bei Bedarf erhaelt es eine milde Schmerzlinderung. Der Vorgang dauert nur wenige Minuten.

„Wird mein Kind danach normal atmen koennen?“
Bei den allermeisten Fruehchen erholt sich die Lunge vollstaendig. Manche sehr frueh geborenen Babys brauchen laenger Atemunterstuetzung – das Behandlungsteam beobachtet die Entwicklung engmaschig und bespricht jeden Schritt mit Dir.

Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine aerztliche Beratung. Bei allen Fragen zu Deinem Kind wende Dich bitte an das medizinische Team der Neonatologie.