Extremfrühchen – Risiken, Chancen und mögliche Folgeschäden

Extremfrühchen; Beatmung beim Atemnotsyndrom (IRDS)
Extremfrühchen haben heute deutlich verbesserte Chancen. Quelle; bvmed.de

Extremfrühchen sind noch einmal eine besondere Herausforderung. Sowohl der Pflege- und Versorgungsbedarf, als auch das Risiko einer schlechten Prognose und einer geringeren Lebenserwartung ist erhöht. Um so erstaunlicher, dass auch hier die Untergrenze inzwischen bei der 22. – 24. SSW liegt, war dies vor vielen Jahren nicht ansatzweise denkbar, dass der kleine Kämpfer dies überleben könnte.

Was ist ein Extremfrühchen oder auch oft “extremes Frühchen” genannt?

Als Extremfrühchen bezeichnet man Frühchen, die besonders früh geboren wurden (um die 22. SSW – 25.SSW, eine exakte Definition gibt es noch nicht)  und/oder besonders klein und leicht sind. Extrem kleine Frühgeborene nennt man auch “ELBW” (= Extremely Low Birth Weight). Nach aktueller Rechtsprechung ist es so, dass Frühchen ab der 22. SSW behandelt werden dürfen – aber nicht müssen. Diese Enstcheidung liegt in erster Linie beim behandelnden Arzt und der Prognose, soweit sie ausreichend gestellt werden kann, des Kindes. Ab der 24. SSW sind Ärzte verpflichtet, maximal zu therapieren. Dies hat in der Vergangenheit bereits zu Rechtsstreitigkeiten geführt und wird weiterhin ein schwieriges Thema bleiben. Ab wann gilt ein Leben als “Lebenswert”? Wieviel Therapie ist hilfreich und ab wann?

Die moderne Technik

Die Überlebensrate eines Frühgeborenen liegt ab der 25.SSW bei etwa 50%. Jedoch geht es hier ausschließlich um die Überlebensrate – wie sind die Prognosen, wie sieht es mit Spätfolgen aus? Kürzlich berichtete Paradisi über eine aktuelle Studie, die besagt, dass sich die Prognose im Hinblick auf Spätfolgen deutlich verbessert hat. Dies ist sicherlich nicht zuletzt der modernen Technik und auch insgesamt der sich stets weiterentwickelnden Medizin zu verdanken. Um die Prognose für Extremfrühchen auch weiterhin zu verbessern, fordert der Bundesverband “Das frühgeborene Kind e.V.” , das Frühchen <1500g nur in speziellen Zentren behandelt werden sollten. Nicht nur die apparative Medizin, allem voraus sind die Erfahrungen und das Know How der behandelnden Ärzte und des Pflegepersonals mit ausschlaggebend für eine verbesserte Prognose. Sollte also ein erhöhtes Risiko für eine extreme Frühgeburt vorhanden sein, so empfiehlt es sich, sich umzuschauen, welche Klinik hier besondere Erfahrungen vorweisen kann.

Spezielle Pflegekonzepte

Neben der apparativen Medizin und der Erfahrung der behandelnden Ärzte spielen auch pflegerische Maßnahmen eine besondere Rolle. Erfreulicherweise beobachtet man in immer mehr Kliniken, dass es auch hier “back to the roots” geht – das NIDCAP-Konzept, Rooming in, das Stillen und minimal Handling eines Frühgeborenen haben wieder einen größeren Stellenwert bekommen. Hier und da gibt es sicherlich noch Handlungsbedarf, aber man ist auf dem richtigen Weg. Denn eines wird kein Gerät dieser Welt ersetzen können: Liebe, Zuwendung und Geborgenheit.

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