Neonatologie - auf der Intensivstation

Alarme / Monitoring

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Alarme / Monitoring

Am meisten prägen sich wohl die Geräuschkulisse und die vielen technischen Geräte auf der Neonatologie ein. Überall bimmelt und blinkt es, Pflegekräfte eilen hin und her — als frischgebackene Frühchen-Eltern kann einen das ganz schön nervös machen, solange man noch nicht weiß, was das alles bedeutet.

Das Wichtigste vorweg: Nicht jeder Alarm ist ein gefaehrlicher. Die meisten Alarme auf der Neo sind den Umstaenden entsprechend voellig normal. Fruehchen haben anfangs haeufig Schwankungen beim Atmen und bei der Sauerstoffsaettigung — denn eigentlich muessten sie ja noch gar nicht selbststaendig atmen. In diesem Artikel erklaeren wir Dir, was die Geraete messen, warum es so oft piept und wann Du Dir wirklich Sorgen machen solltest.

Was wird auf der Neonatologie ueberwacht?

Jedes Fruehchen auf der Intensivstation ist an einen Monitor angeschlossen, der kontinuierlich mehrere Koerperfunktionen misst. Die wichtigsten Parameter, die Du auf dem Bildschirm siehst, sind:

Herzfrequenz (meist rot angezeigt): Das Herz Deines Babys schlaegt normalerweise zwischen 120 und 160 Mal pro Minute. Bei sehr kleinen Fruehchen kann die Frequenz auch mal hoeher liegen. Faellt sie unter einen bestimmten Wert (oft unter 100 Schlaege), spricht man von einer Bradykardie — und der Monitor schlaegt Alarm.

Sauerstoffsaettigung (oft gelb oder blau): Ein kleiner Sensor, der in der Regel am Fuss oder an der Hand Deines Kindes befestigt ist (Pulsoximeter), misst, wie viel Sauerstoff im Blut transportiert wird. Dieser Wert wird als SpO2 angegeben und in Prozent dargestellt. Bei Fruehgeborenen liegt der Zielbereich in den meisten Kliniken zwischen 89 und 95 Prozent. Sowohl zu wenig als auch zu viel Sauerstoff koennen schaedlich sein — deshalb werden eine Unter- und eine Obergrenze eingestellt.

Atemfrequenz (oft gruen): Der Monitor erfasst ueber Elektroden auf der Brust, wie oft und wie regelmaessig Dein Kind atmet. Setzt die Atmung fuer mehr als 15 bis 20 Sekunden aus, wird das als Apnoe (Atemaussetzer) gewertet — auch dann loest der Monitor einen Alarm aus.

Je nach Klinik und Zustand Deines Kindes koennen weitere Parameter ueberwacht werden, etwa der Blutdruck, die Koerpertemperatur oder der CO2-Gehalt (transkutanes Monitoring). Das genaue Setup erklaert Dir das Pflegepersonal — frag ruhig nach, wenn Du etwas nicht verstehst.

Alarmgrenzen und was sie bedeuten

Bei jedem Monitor werden individuelle Alarmgrenzen eingestellt — also Schwellenwerte, bei denen der Alarm losgeht. Fuer die Sauerstoffsaettigung koennte die untere Grenze zum Beispiel bei 88 liegen und die obere bei 95. Ueber- oder unterschreitet Dein Kind diese Grenze, piept es.

Oft ist es so, dass die Werte schon wieder aufwaerts gehen, bevor es ueberhaupt richtig gebimmelt hat. Manchmal bleibt die Saettigung auch knapp unter der Grenze haengen und es bimmelt natuerlich weiter. Das ist zunaechst kein Grund zur Panik.

Werden die Alarme zu haeufig oder die Werte insgesamt schlechter, wird dementsprechend reagiert. Das kann von sanfter Stimulation (kurzes Beruehren oder Ansprechen) ueber das Erhoehen der Sauerstoffzufuhr bis hin zu einer kurzfristigen Atemstuetzung reichen. In jedem Fall werden die Kleinen dabei unterstuetzt, wieder in einen stabilen Zustand zu kommen.

Die Alarmgrenzen werden regelmaessig vom aerztlichen Team angepasst — je nachdem, wie sich Dein Kind entwickelt und welche Atemstuetzung es gerade bekommt. Was in der ersten Lebenswoche normal war, kann zwei Wochen spaeter schon anders aussehen.

Die haeufigsten Alarme auf der Neonatologie

Drei Situationen loesen auf der Neo besonders oft Alarm aus. In der Fachsprache werden sie als das „ABD-Trio“ bezeichnet:

Apnoe (Atemaussetzer): Fruehgeborene haben ein noch unreifes Atemzentrum im Gehirn. Vor allem vor der 34. Schwangerschaftswoche kommt es haeufig vor, dass die Atmung fuer einige Sekunden aussetzt. In der Medizin unterscheidet man zwischen einer zentralen Apnoe (das Gehirn „vergisst“ kurz das Atmen) und einer obstruktiven Apnoe (die Atemwege sind voruebergehend verlegt, zum Beispiel durch eine unglueckliche Kopfhaltung). Haeufig ist es eine Mischform. Kurze Aussetzer von unter 15 Sekunden, die von selbst aufhoeren, sind bei Fruehchen keine Seltenheit und in den meisten Faellen harmlos.

Bradykardie (verlangsamter Herzschlag): Wenn das Herz unter einen bestimmten Wert faellt — bei Neugeborenen je nach Klinik oft unter 100 Schlaege pro Minute — geht der Alarm los. Bradykardien treten bei Fruehchen haeufig zusammen mit Apnoen auf: Das Kind hoert kurz auf zu atmen, und als Reaktion sinkt die Herzfrequenz. In den meisten Faellen erholt sich das Kind innerhalb weniger Sekunden von selbst.

Desaturation (Sauerstoffabfall): Wenn die Sauerstoffsaettigung unter den eingestellten Grenzwert sinkt. Auch das haengt meistens mit Atemaussetzern zusammen und normalisiert sich oft rasch. Haeufig erlebst Du dieses Trio zusammen: Dein Kind hat einen kurzen Atemaussetzer, daraufhin sinkt die Saettigung, und die Herzfrequenz geht ebenfalls nach unten. Das klingt bedrohlich, ist aber in den ersten Wochen fuer Fruehgeborene ein alltaegliches Muster, das mit zunehmender Reife abnimmt.

Warum reagieren die Pflegekraefte nicht sofort?

Anfangs wirst Du Dich vielleicht wundern, warum eine Pflegekraft nicht bei jedem Piepen sofort ans Bett rennt. Das ist kein Uebersehen und kein Ignorieren — sondern Erfahrung. Die Pflegekraefte kennen Dein Kind und wissen einzuschaetzen, ob es sich gerade von allein wieder „faengt“ oder ob es Unterstuetzung braucht.

Studien zeigen, dass auf einer typischen Neugeborenen-Intensivstation pro Kind und Tag hunderte Alarme ausgeloest werden — der Grossteil davon sind sogenannte nicht-handlungsrelevante Alarme (in der Fachliteratur „alarm fatigue“ genannt). Die Pflegekraefte lernen, wichtige von unwichtigen Alarmen zu unterscheiden, und koennen oft schon am Klangmuster erkennen, was gerade los ist.

Das heisst aber nicht, dass Du als Elternteil nicht aufpassen darfst — im Gegenteil. Wenn Dir etwas auffaellt, sprich es ruhig an. Das Pflegepersonal erklaert Dir mit der Zeit alle Geraetschaften und Alarme, und Du wirst ueberrascht sein, wie schnell Du selbst ein Gefuehl dafuer entwickelst.

Was passiert bei einem echten Alarm?

Wenn Dein Kind wirklich Hilfe braucht, reagiert das Team schnell und gezielt. Die Reaktion ist dabei abgestuft — von einfachen Massnahmen bis hin zu intensiveren Eingriffen:

Leichte Stimulation: Oft reicht es, Dein Kind sanft an der Fusssohle zu beruehren oder es kurz anzusprechen. Das aktiviert das Atemzentrum, und die Atmung setzt wieder ein. Auf vielen Stationen wird das als „taktile Stimulation“ bezeichnet.

Lagerung anpassen: Manchmal hilft schon eine leichte Veraenderung der Kopfposition, um die Atemwege freizumachen — besonders bei obstruktiven Apnoen.

Sauerstoff erhoehen: Wenn die Saettigung trotz Stimulation nicht ausreichend ansteigt, kann die Sauerstoffzufuhr voruebergehend erhoeht werden.

Atemstuetzung: Bei anhaltendem Abfall kann eine kurzfristige Maskenbeatmung (Beutelbeatmung) oder eine Anpassung der CPAP- bzw. High-Flow-Einstellung noetig sein.

In jeder Situation entscheidet das aerztliche und pflegerische Team, welcher Schritt als Naechstes angemessen ist. Dabei gilt immer: So wenig Eingriff wie noetig, so viel wie erforderlich.

Alarme bei Kaenguru-Pflege und Handling

Wenn Du Dein Fruehchen auf die Brust nimmst (Kaenguru-Pflege) oder wenn es gewogen, gewickelt oder untersucht wird, gibt es fast immer Alarme. Das „Umlagern“ ist fuer die Kleinen anstrengend, und voruebergehende Schwankungen bei Herzfrequenz und Saettigung sind voellig normal.

Auch der SpO2-Sensor kann beim Bewegen verrutschen und dadurch kurzzeitig falsche Werte anzeigen. Das Pflegepersonal weiss das und wird den Alarm in solchen Situationen quittieren, ohne gleich einzugreifen. Lass Dich davon also nicht verunsichern — Kaenguru-Pflege ist eine der besten Dinge, die Du fuer Dein Fruehchen tun kannst.

Heimmonitoring nach der Entlassung

Viele Fruehchen werden mit einem tragbaren Monitor nach Hause entlassen. Das betrifft vor allem Kinder, die bis zur Entlassung noch gelegentliche Apnoen oder Bradykardien hatten, oder Kinder mit einer bronchopulmonalen Dysplasie (BPD, einer chronischen Lungenerkrankung bei Fruehgeborenen).

Der Heimmonitor misst in der Regel Herzfrequenz und Sauerstoffsaettigung. Vor der Entlassung wird das Pflegepersonal Euch ausfuehrlich in die Handhabung einweisen — welche Werte normal sind, wann Ihr reagieren solltet und wann Ihr den Notarzt rufen muesst.

Der Aufenthalt auf der Neonatologie hat dabei einen Vorteil: Ihr habt dort bereits gelernt, die Alarme einzuschaetzen und wisst, dass nicht jedes Piepen ein Notfall ist. Dieses Wissen nimmt Euch die groesste Angst fuer zu Hause.

Tipps fuer Eltern auf der Neonatologie

Fragt nach: Bittet das Pflegepersonal, Euch die Monitore und ihre Bedeutung zu erklaeren. Je mehr Ihr versteht, desto weniger Angst machen die Alarme.

Schaut auf Euer Kind, nicht auf den Monitor: Die Farbe, Atmung und Koerperspannung Eures Babys sagen oft mehr als die Zahlen auf dem Bildschirm. Wenn Euer Kind rosig und entspannt aussieht, ist meistens alles in Ordnung — auch wenn der Monitor kurz piept.

Vertraut dem Team: Die Pflegekraefte und Aerzte auf der Neonatologie haben taeglich mit diesen Alarmen zu tun. Ihr scheinbares „Nicht-Reagieren“ ist kein Desinteresse, sondern professionelle Einschaetzung.

Gebt Euch Zeit: In den ersten Tagen wird jeder Alarm Euch erschrecken. Das ist voellig normal. Nach ein bis zwei Wochen werdet Ihr selbst ein Gefuehl dafuer entwickeln, welche Alarme belanglos sind und welche Aufmerksamkeit verdienen.

Dieser Artikel ersetzt keine aerztliche Beratung. Die hier beschriebenen Alarmgrenzen und Massnahmen koennen je nach Klinik und Zustand Deines Kindes unterschiedlich sein. Besprich alle Fragen zu den Ueberwachungswerten direkt mit dem behandelnden Team.