Verstopfter Tränenkanal

Vielen Müttern ist das tränende Auge des Babys einige Wochen nach der Geburt wohlbekannt. Die verzweifelten Eltern suchen hier idealerweise einen  Spezialisten auf, der entweder ein Augenarzt oder ein Kinderarzt ist.

Aber warum tränt das Auge vermehrt bei einigen Babys nach der Geburt und wie kann dieses Probelm behoben werden?

Die Tränenflüssigkeit wird in den Tränendrüsen produziert. Die Tränenflüssigkeit ernährt die äußeren Augenstrukturen, hält die Hornhaut feucht und bekämpft Bakterien. Des Weiteren trägt sie zu den optischen Eigenschaften des Auges bei. Die Tränenflüssigkeit fließt durch die oberen und unteren Tränenpünktchen an den Lidrändern in die Tränenkanälchen und von dort über den Tränensack in den Tränennasengang. Der Tränennasengang endet in der Nase.

Etwa 5% der Neugeborenen haben einen verstopften Tränenkanal. Bei den Frühgeborenen ist diese Zahl noch höher. Bei den Babys mit verstopftem Tränenkanal befindet sich ein dünnes Häutchen (eine Membran) am Ende des Tränennasengangs, das den Tränenkanal verschlossen hält. Wegen diesem Häutchen kann die Tränenflüssigkeit nicht abfließen und staut sich zurück. Da die Tränenflüssigkeit nicht in die Nase fließen kann, läuft sie über das Unterlid und die Wange hinunter.

Die Augenlider verkleben sich, Krusten erscheinen am Augenwinkel und am Unterlid und das Auge kann sich entzünden. Es kann immer wieder zu einer bakteriellen Infektion kommen, weil der normale Abfluss der Tränen nicht gewährleistet ist und die zurückgebliebene, vermehrte Tränenflüssigkeit ein idealer Nährboden für die Bakterien ist. Der Augenarzt muss den verstopften Tränenkanal von anderen Erkrankungen, wie zum Beispiel angeborenem grünem Star, viraler oder bakterieller Bindehautentzündung und Epiblepharon unterscheiden. Da diese Erkrankungen typische Merkmale haben, ist die Unterscheidung relativ einfach.

Bei einem vertopften Tränenkanal sind in der Regel die Bindehaut und die Hornhaut reizfrei. Das vermehrte Tränenträufeln, verklebte Lider und die Krusten zeugen davon, dass etwas mit dem Auge nicht stimmt. Das Baby ist durch die Verstopfung eigentlich nicht allzu gestört.

Wie wird ein verstopfter Tränenkanal behandelt?

Die Verstopfung kann entweder konservativ oder chirurgisch behandelt werden. In 90% der Fälle öffnet sich der Tränenkanal während den ersten 12 Monaten spontan. Die Mutter soll den Bereich des Tränensack mehrmals am Tag massieren. Die Massage soll mit leichtem Druck vom Tränenpünkten bis zur Nase hin ausgeführt werden. Die Massage hat zwei Vorteile: Einerseits entleert die Massage den Tränensack und dadurch wird die Wahrscheinlichkeit einer bakteriellen Infektion deutchlich verringert, andererseits übt sie einen hydrostatischen Druck auf das Hindernis aus, welcher zur Öffnung des Häutchens führen kann.

Wenn sich das Auge infiziert und eine Bindehautentzündung auftritt, muss der Augenarzt antibiotische Tropfen geben. Antibiotische Salben sind in diesem Alter keine gute Wahl, da die Salbe das Auge verdecken kann und diese Verdeckung zu einer Schwachsichtigkeit (Amblyopie) führen kann. Bei zurückkehrenden Bindehautentzündungen kann immer wieder ein Breitbandantibiotikum in Tropfform verwendet werden. Bei chronischen Bindehautentzündungen muss das Antibiotikum sogar ein paar Wochen lang gegeben werden.

Das tränende, mit Krusten bedeckte Auge kann mit abgekochtem Wasser, Kochsalzlösung oder Muttermilch gereinigt werden.

Besteht die Verstopfung nach 9-12 Monaten immer noch oder tritt eine Bindehautentzündung gehäuft auf, muss ein kleiner Eingriff durchgeführt werden. Bei dieser Operation wird eine Sonde in den Tränenweg eingeführt und das Häutchen wird durchstossen. Der Eingriff ist eingetlich schmerzlos, aber er ist an einem solch kleinen Kind schwer durchführbar. Die beste und schonendste Lösung ist, wenn keine Narkose angewendet wird. In diesem Fall wird das Baby eingewickelt, damit es sich nicht bewegen kann und der Arzt führt die Operation durch. Der Eingriff dauert etwa 4-5 Minuten.

Für die Eltern ist es emotional sehr schwer, die ganze Prozedur mit anzusehen, aber diese Variante ohne Narkose ist immer noch viel besser wenn man die möglichen Nebenwirkungen der Narkose berücksichtigt. Nach dem Eingriff kehrt das Problem praktisch nie zurück.

 

Zürich, 30.10.2018                                                                 Dr. med. Richard Nagy

 

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