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Warum hat mein Frühchen eine Hirnblutung?

Hirnblutung bei Frühgeborenen, Kindern und nach Schädel-Hirn-Trauma

peri- und intraventrikuläre Hämorrhagie

Hirnblutung beim Frühgeborenen. Hämorrhagie ist der medizinische Fachbegriff für „Blutung“, periventrikulär (peri=“um … herum“; ventrikulär= einen [Herz- oder Hirn] Ventrikel betreffend) und intraventrikulär (intra = innerhalb) beschreibt zudem die Lokalisation der Blutung, also der Ort, an dem sie entstanden ist. Schon bei Frühgeborenen ist die Autoregulation der Intrazerebralen (im Gehirn) Durchblutung  vorhanden. Die Durchblutung wird bei einem mittleren arteriellen Druck von 25-50 mmHg konstant gehalten.

Besonders das Gehirn sehr unreifer Frühgeborener ist sehr empfindlich. So haben gerade Frühchen zwischen der 23. und 28./ 30. SSW ein hohes Risiko eine Hirnblutung, also peri- und/oder intraventrikuläre Hämorrhagie zu entwickeln. Bis zu 40% weisen Hirnblutungen unterschiedlichen Ausmaßes auf. Der Schweregrad und die Lokalisation der Hirnblutung bestimmt die Prognose. Welche Folgen Hirnblutungen haben können, ist also in der akuten Situation noch unklar. Bis zu 90% aller Hirnblutungen treten in den ersten 3 Lebenstagen auf.

Hirnblutung bei Frühchen als Folge der FrühgeburtWarum haben Frühchen Hirnblutungen?

Kommt es zum Beispiel durch Stress oder zu schneller Volumengabe, sowie durch Veränderungen der zerebralen Durchblutung und Schwankungen des zerebralen Blutflusses zu Blutdruckspitzen können leicht Hirnblutungen entstehen.

Folgende Risikofaktoren begünstigen das Auftreten einer peri- und intraventrikulären Hämorrhagie

Symptome einer peri- und intraventrikulären  Hämorrhagie

Je nach Schweregrad können Hirnblutungen asymptomatisch verlaufen.

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  • Veränderte Bewusstseinslage
  • Bewegungsarmut
  • Muskelhypotonie (Erniedrigung der Muskelspannung)
  • Apnoe (Atemstillstände)
  • Sauerstoffsättigungs-Schwankungen
  • Bradykardie (Verlangsamung des Herzschlages unter die für den Entwicklungsstand normale Herztätigkeit)
  • Blutdruckabfall
  • Temperaturinstabilität
  • Blasses Hautkolorit (Aussehen, Hautfarbe)
  • vorgewölbte Fontanelle
  • fehlende Pupillenreaktion
  • Krampfanfälle

Die Einteilung wird in 4 Stadien vorgenommen und erfolgt durch Ultraschalluntersuchungsbefunde (Sonographie)

Hirnblutung °Grad 1: Subependymale Blutung (Blutung unter der die Ventrikel auskleidenden Haut) [durch Platzen der Blutgefäße am Rande der Ventrikel (Hirnkammern)]
Hirnblutung °Grad 2: bis zu 50% ige Füllung der Ventrikel, Seitenventrikel
Hirnblutung °Grad 3: >50% ige Füllung beider Seitenventrikel
Hirnblutung °Grad 4: Ventrikelblutung sowie intrazerebrale Blutungen (Blutungseinbruch in das umliegende Gehirngewebe)

Hirnblutung Grad II und III nennt man intraventrikuläre Blutung
Hirnblutung Grad IV bezeichnet man als periventrikuläre Blutung

Therapie einer akuten Hirnblutung

Die Therapie bei einer Hirnblutung richtet sich nach den Symptomen. Vor allem besteht sie aus der Vermeidung der Ursachen, besonders in der Stressvermeidung.
Dazu gehören:

  • Minimal Handling
  • Kopf in achsengerechter Stellung lagern
  • Aufrechterhaltung der zerebralen Durchblutung
  • Engmaschige Blutdruckkontrollen
  • Vermeidung einer Hyperkapnie in den ersten Lebenstagen, einer Hypoxie, Azidose, Hypervolämie (erhöhtes zirkulierendes Blutvolumen)
  • Vermeidung von Blutdruckspitzen, durch Oberkörperhochlagerung
  • Infektionsvermeidung
  • Gabe von Konakion (Vitamin K)
  • Gabe von Plasma
  • Gabe von Gerinnungsfaktoren
  • Synchronisierte Beatmung

Desweiteren wird eine regelmäßige Schädelsonographie durchgeführt und die Blutwerte mit Gerinnung kontrolliert.

Streßzeichen bei einem Frühgeborenen sind:

  • Weinen
  • Grimassieren, Gesichter schneiden
  • Festes Zukneifen der Augen
  • Husten, Niesen oder Gähnen
  • Schluckauf, Würgen, Erbrechen
  • Gespreizte Finger- sternförmige Hand
  • Aufschrecken, Zittern, Tremor (Art des Zitterns, pathologisch)
  • Extreme Schlaffheit oder gesteigerte Aktivität (heftige Bewegung der Gliedmaßen)
  • Apnoe, sehr unregelmäßige Atmung
  • Veränderung des Hautkolorits

Durch die Hirnblutung kann es zur Bildung eines Hydrocephalus und der hypoxisch-ischämischen Schädigung kommen. (Verminderte bzw. Mangeldurchblutung und somit Sauerstoffunterversorgung, was zum Untergang von Hirngewebe führt) Auch bei älteren Kindern können Hirnblutungen auftreten, meist verursacht durch ein Schädel-Hirn-Trauma.

Subdurales Hämatom

So bezeichnet man die Einblutung zwischen der harten Hirnhaut (Dura mater) und der weichen Hirnhaut (Arachnoidea). Man unterscheidet zwischen dem akuten und dem chronischen subduralen Hämatom.

Die Symptome sind beim Akuten ausgeprägter:

  • Blässe
  • Erbrechen
  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • plötzlicher oder langsamer Bewusstseinsverlust
  • Krampfanfälle
  • Hemiparese (Halbseitenlähmung)
  • Gedeihstörungen
  • Beim Säugling: vorgewölbte Fontanelle
  • zunehmender Kopfumfang

Ursachen Subturales Hämatom:

  • Geburtstrauma
  • Schütteltrauma des jungen Säuglings
  • Schädel-Hirn-Trauma

Therapie:

  • Kleinere Blutungen resorbieren meist spontan.
  • Bei größeren Blutungen kann eine Operation notwendig sein.
  • In seltenen Fällen muss ein Shunt (Ableitung) zum Abfluss des Liquors (Hirnflüssigkeit) angelegt werden.

Notwendig sind

  • Bettruhe
  • Möglichst keine harten Speisen
  • Oberkörperhochlagerung
  • Infusionstherapie
  • und genaue Beobachtung auf raumfordernde Prozesse

Epidurales Hämatom

Bezeichnet die Einblutung zwischen der harten Hirnhaut (Dura mater) und dem Schädelknochen. Hier muss sofort eine operative Ausräumung des Hämatoms erfolgen. Die Symptome sind Bewusstseinsverlust direkt nach dem Trauma sowie nach einem symptomfreien Intervall von Minuten bis Stunden. Eine erweiterte und u.U. Lichtstarre Pupille auf der Blutungsseite, beide Augen sind in Richtung des Blutungsherdes gedreht, Krämpfe der Gegenseite, Bradykardie.

Intrazerebrales Hämatom

Einblutung in die Hirnsubstanz infolge einer Verletzung von Hirnneven oder Hirnaterien. Die Symptome sind je nach Ort der Blutung ausgeprägt. Ebenso hängen davon die nachfolgenden Ausfälle ab. Eine Operation ist je nach Lokalisation schwierig.

Subarachnoidalblutung

Dies bezeichnet eine Einblutung aufgrund einer Ruptur eines erworbenen oder angeborenen Hirnarterienaneurysmas (Ausweitung eines arteriellen Blutgefäßes durch Wandveränderungen) Dies tritt meist aus völliger Gesundheit heraus auf.

Symptome:

  • Plötzlich beginnender vernichtender Kopfschmerz
  • Schwindel
  • schrilles Schreien
  • Erbrechen
  • Nackensteife
  • Krämpfe
  • Opisthotonus (Rückwärtsbeugung des Kopfes mit Überstreckung von Rumpf und Extremitäten)
  • Bewußtlosigkeit

Die Therapie besteht aus einer Operation, bei der das Aneurysma mit einer im Körper verbleibenden Mikroklemme abgeklemmt wird. Anschließend ist oft eine längere Rehamaßname erforderlich.

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